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Jul 13, 2023 225 0 Colum Mc Nabb, Irland
Begegnung

Auf den Flügeln eines Wunders

Mit non-verbalem Autismus geboren und diagnostiziert mit Retinitis Pigmentosa, einer Krankheit, bei der das Sehvermögen allmählich verloren geht, fühlte er sich in einem stillen Gefängnis der Verzweiflung gefangen. Unfähig zu kommunizieren und kaum in der Lage zu sehen … Wie würde Columns Leben aussehen? Aber Gott hatte andere Pläne für ihn …

Mein Name ist Column, aber in meinen ganzen 24 Lebensjahren habe ich meinen eigenen Namen nie ausgesprochen, denn ich bin seit meiner Geburt nonverbal. Als Kind wurde ich mit mittelschwerem Autismus und einer schweren Lernbehinderung diagnostiziert. Mein Leben war sehr langweilig. Meine Eltern kämpften für mein Recht auf eine Ausbildung, gründeten gemeinsam mit anderen Eltern autistischer Kinder eine Schule und kämpften um die Finanzierung, um sie weiterzuführen. Aber da ich nicht kommunizieren konnte, wussten sie nicht, wozu mein Gehirn fähig war, und ich fand das Material langweilig. Die Leute dachten, ich wäre glücklicher zu Hause, wenn ich mir DVDs anschaue. Mit acht Jahren war ich noch nicht ein einziges Mal in Urlaub gefahren. Ich glaubte nicht mehr, dass ich jemals aus meinem stillen Gefängnis der Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung ausbrechen würde.

Das Leben anderer beobachten

Ich hatte immer das Gefühl, dass Jesus mir nahe war. In meiner Kindheit wurde er mein engster Freund und ist es bis heute geblieben. In meinen dunkelsten Momenten war er da, um mir Hoffnung zu geben und Trost zu spenden. Es war sehr anstrengend, dass mich alle wie ein Baby behandelten, obwohl ich innerlich intelligent war. Mein Leben war unerträglich. Mein halbes Leben lang war ich so etwas wie ein Zuschauer, der andere dabei beobachtete, wie sie ihr Leben lebten, der aber selbst ausgeschlossen war. Wie oft hatte ich mir gewünscht, selbst mit dabei sein zu können und meine wahren Fähigkeiten zu zeigen.

Als ich 13 Jahre alt war, ließ meine Sehkraft nach, und ich wurde in das Temple Street Children’s Hospital gebracht, um einen Sehtest, ein sog. Elektroretinogramm (ERG), durchführen zu lassen. Gott hatte mir eine weitere Herausforderung auferlegt. Ich wurde mit Retinitis Pigmentosa (RP) diagnostiziert, einer Erkrankung, bei der die Netzhautzellen im Augenhintergrund absterben und nicht ersetzt werden, so dass das Sehvermögen allmählich verloren geht. Es gibt keine medizinischen Mittel, um das zu heilen. Ich war am Boden zerstört. Das war ein furchtbarer Schlag für mich, und Traurigkeit überkam mich. Für eine Weile stabilisierte sich mein Sehvermögen, was mir die Hoffnung gab, dass mir etwas von meinem Sehvermögen erhalten bleiben würde, aber als ich älter wurde, wurde meine Sehkraft immer schlechter. Ich wurde so blind, dass ich den Unterschied zwischen den verschiedenen Farben nicht mehr sehen konnte. Ich sah schwarz für meine Zukunft. Ich konnte nicht kommunizieren, und nun konnte ich auch kaum mehr sehen.

Mein Leben ging in grauer Verzweiflung weiter, mit noch weniger Integration und Interaktion. Meine Mutter glaubte nun, mich in ein Heim einweisen zu müssen, wenn ich älter würde. Ich war kurz davor durchzudrehen. Nur Gott stand zwischen mir und dem Verrücktwerden. Die Liebe Jesu war das einzige, was mich bei Verstand hielt. Meine Familie wusste nichts von meinen Kämpfen, weil ich nicht mit ihnen kommunizieren konnte, aber in meinem Herzen spürte ich, wie Jesus mir sagte, dass ich mit der Zeit geheilt würde.

Im Inneren erzitternd

Im April 2014 geschah etwas Erstaunliches. Meine Mutter brachte mich zu meinem ersten RPM (Rapid Prompt Method)-Workshop. Ich konnte es kaum glauben. Endlich traf ich jemanden, der an mich glaubte, der mir zutraute, dass ich kommunizieren konnte, und der mir helfen würde, die harte Arbeit auf mich zu nehmen, um es zu lernen. Kannst du dir meine Freude vorstellen? Für einen Moment begann mein Herz zu hoffen – zu hoffen, nicht zu fürchten, dass mein wahres Ich zum Vorschein kommen würde. Endlich hatte ich Hilfe. Der Gedanke, dass endlich jemand mein Potenzial erkannte, ließ mich vor Freude erzittern. So begann ich meine lebensverändernde Reise in die Kommunikation.

Es war anfangs sehr anstrengend und erforderte wochenlanges Üben, um das motorische Gedächtnis zu trainieren, damit ich genau buchstabieren konnte. Doch es war jede Minute wert. Das Gefühl der Freiheit begann zu wachsen, als ich endlich meine Stimme fand. Als Gott dieses neue Kapitel in meiner Geschichte aufschlug, hatte ich das Gefühl, dass mein Leben endlich begonnen hatte.

Peitschen und Beißen

Machen wir nun einen Sprung zum Mai 2017. Meine Oma erzählte uns, dass sie vor ein paar Jahren einen sehr lebhaften Traum über Papst Johannes Paul II. hatte. In diesem Traum hatte sie ihn gebeten, für ihre Enkelkinder zu beten, und es war so kraftvoll, dass sie es aufschrieb. Sie hatte es vergessen, bis sie wieder auf das Heft stieß und es sie dazu anregte, für mich und meine Geschwister eine Novene zu Papst Johannes Paul II. zu beginnen. Sie bat eine Gruppe von Menschen, die Novene mit uns zu beten, und am Montag, den 22.05., zu starten. Am Dienstag, den 23.05., sah ich gegen neun Uhr morgens in meinem Zimmer neben der Küche eine DVD an. Papa war zur Arbeit gegangen und Mama putzte in der Küche.

Plötzlich fing unsere Hündin Bailey an, an der Tür meines Zimmers zu bellen. So etwas hatte sie vorher noch nie getan, so dass Mama wusste, dass etwas nicht stimmte. Sie stürzte herein und fand mich in einem Anfall vor. Es war sehr beängstigend für sie. Ich schlug um mich und hatte mir auf die Zunge gebissen, so dass ich Blut im Gesicht hatte. In ihrer Not hatte Mama das Gefühl, dass jemand sagte: „Vertraue einfach. Manchmal werden Dinge schlimmer, bevor sie besser werden.“ Sie rief Papa an, der versprach, nach Hause zu kommen. Er bat sie, ein Video von mir aufzunehmen, das sich als sehr hilfreich erwies, als wir im Krankenhaus ankamen. Als ich aufhörte zu zucken, war ich für mehr als zwei Minuten wie betäubt. Ich hatte während des Anfalls das Bewusstsein verloren und konnte mich an nichts mehr erinnern, aber meine Mutter hatte für mich gebetet und auf mich aufgepasst.

Ein Moment der Erleuchtung

Als ich dann schließlich zu mir kam und auf die Füße taumelte, war ich sehr unsicher. Mama und Papa halfen mir ins Auto und fuhren mit mir ins Krankenhaus. Im Krankenhaus untersuchten mich die Ärzte und nahmen mich für weitere Untersuchungen stationär auf. Der Pfleger kam mit dem Rollstuhl, um mich in den Akutbereich der Inneren Station zu bringen. Während ich den Korridor entlang geschoben wurde, verbesserte sich meine Sehkraft plötzlich sehr stark.

Wie soll ich meine Gefühle in diesem Moment beschreiben? Ich war fasziniert von der Schönheit all dessen, was ich um mich herum sah. Alles sah so anders aus – und so klar. Es war einfach toll! Ich kann nicht in Worte fassen, wie ich mich in diesem Moment der Erleuchtung fühlte. Und ich kann nicht das Ausmaß meiner Verwunderung ausdrücken, in die Welt der Farben und Formen zurückzukehren. Es war der bisher beste Moment in meinem Leben!

Als meine Mutter mich fragte, ob ich etwas zu sagen hätte, buchstabierte ich: „Meine Augen sind besser.“ Meine Mutter war erstaunt. Sie fragte mich, ob ich einen Aufkleber auf einer Maschine außerhalb meiner Kabine sehen könne, und ich sagte: „Ja!“ Sie fragte mich, ob ich sehen könne, was oben auf dem Aufkleber stand. Und ich las vor: „Ich bin sauber.“ Sie war so erstaunt, dass sie nicht wusste, wie sie damit umgehen sollte. Und auch ich wusste nicht, wie ich mich gerade fühlen sollte!

Als Papa und meine Tante hereinkamen, erzählte ihnen Mama, was geschehen war. Papa sagte: „Das müssen wir testen.“ Er ging zum Vorhang am Ende meines Bettes und hielt ein kleines Tütchen milchfreie Schokolinsen hoch. Ich buchstabierte, was auf dem Tütchen stand. Dann ging es Schlag auf Schlag, als er mir in den nächsten Minuten immer neue Wörter vorgab, die ich buchstabieren sollte. Ich machte alles richtig. Meine Tante und meine Eltern waren begeistert.

Wie war das nur möglich? Wie konnte ein blinder Mann plötzlich alle Wörter richtig schreiben? Medizinisch war das unmöglich. Keine noch so gute medizinische Behandlung kann bei Retinitis Pigmentosa helfen. Die medizinische Wissenschaft kennt keine Heilung dafür. Es musste Gott sein, der mich auf die Fürsprache des Heiligen Johannes Paul II. wundersam heilte. Anders ist es nicht zu erklären. Ich bin Gott so dankbar, dass er mein Augenlicht wiederhergestellt hat. Es ist ein Akt wahrer göttlicher Barmherzigkeit. Jetzt bin ich in der Lage, eine Tastatur für eine unabhängige Sprachkommunikation zu benutzen, was viel schneller geht.

Meine betende Mutter

Lasst mich euch erzählen, wie ich den Glauben bewahrt habe. Ich hatte viele Zeiten des Zweifelns, in denen ich mich hoffnungslos fühlte. Nur Jesus hat mich bei Verstand gehalten. Ich bekam meinen Glauben von meiner Mutter. Ihr Glaube war sehr stark. Sie inspirierte mich, weiterzumachen, wenn die Zeiten hart waren. Jetzt weiß ich, dass unsere Gebete erhört wurden. Ich brauchte eine Weile, um mich daran zu gewöhnen, meine Sehkraft wieder zu haben. Die Trennung von Hirn und Körper war so groß, dass mein Gehirn nicht in der Lage war, das Sehen auf funktionelle Weise zu nutzen. Zum Scannen war es gut, aber es war schwierig, mein Gehirn dazu zu bringen, Informationen aus meinem Sehvermögen zu nutzen. Obwohl ich zum Beispiel sehen konnte, fiel es mir schwer zu erkennen, wonach ich suchte. Ich war manchmal frustriert, wenn ich stolperte, weil ich nicht sehen konnte, wohin ich ging, obwohl ich es sehen konnte.

Im September ging ich zurück ins Krankenhaus um mich untersuchen zu lassen. Ich bekam zwanzig von zwanzig Punkten für meine Sehschärfe und für das Farbensehen, das heißt, dass mein Sehvermögen nun normal ist. Dabei zeigt die Netzhautaufnahme immer noch eine Degeneration. Sie hat sich seitdem nicht verbessert. Nach der medizinischen Wissenschaft ist es mir unmöglich, klar zu sehen. Danach müsste ich immer noch in einer trüben, grauen Welt festsitzen. Aber Gott in seiner Barmherzigkeit hat mich aus diesem dumpfen Gefängnis befreit und mich in eine wunderschöne Welt der Farben und des Lichts getaucht. Die Ärzte sind verblüfft. Sie sind immer noch ratlos, aber ich freue mich, denn ich kann immer noch sehen.

Heute kann ich viele Dinge besser als zuvor. Ich kann Mama Dinge viel schneller erzählen, nun da ich die laminierte Alphabettafel benutzen kann. Es geht so viel schneller als die Schablone. Ich bin meiner begabten Mama so dankbar dafür, dass sie trotz der Schwierigkeiten an meiner Ausbildung festgehalten und so treu für meine Heilung gebetet hat.

In den Evangelien hören wir, dass Jesus das Augenlicht vieler Blinder wiederhergestellt hat, so wie er das meine wiederhergestellt hatte. In der heutigen Zeit haben viele Menschen vergessen, dass es Wunder gibt. Sie spotten und denken, dass die Wissenschaft alle Antworten hat. Gott wird bei ihren Überlegungen außen vor gelassen. Wenn ein Wunder wie meine Heilung geschieht, offenbart er, dass er noch sehr lebendig und mächtig ist. Ich hoffe, dass meine Geschichte der Heilung dich dazu inspiriert, dein Herz dem Gott zu öffnen, der dich so sehr liebt. Der Vater der Barmherzigkeit wartet auf deine Antwort.

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Colum Mc Nabb

Colum Mc Nabb ist ein junger aufstrebender Schriftsteller. Bei ihm wurde ein mittelschwerer Autismus und eine schwere Lernbehinderung diagnostiziert; er spricht nicht. Dennoch ist seine tiefe Spiritualität offensichtlich, denn er erkennt jetzt, dass es Jesus war, der ihn in diesen Jahren des Schweigens bei Verstand hielt. Column lebt mit seiner Familie in Galway, Irland.

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