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Apr 21, 2024
Genießen Apr 21, 2024

Nach Corona war die Sehnsucht nach Urlaub sehr groß – am besten weit weg an einem fernen Ort. Nach der Rückkehr war im Freundeskreis oft zu hören: Der Urlaub war einfach zu kurz!

Menschen mit einer großen Gottesinnerlichkeit haben auch das Gefühl, dass die gemeinsame Zeit mit ihm immer zu kurz ist. In diesen Momenten sind sie wie entrückt. Man könnte meinen, Gott hat sie „entführt“. Wie lässt sich diese „Entführung“ beschreiben?

Alfons Maria von Liguori sagt dazu: „Die Liebe zu Gott lässt den Heiligen sich selbst vergessen; sein einziges Verlangen ist es, dem Geliebten zu gefallen.“ Hier kommen zwei Aspekte zusammen: sich selbst vergessen und Gefallen suchen beim Geliebten. Wer das kann, erlebt unter Umständen eine solche „Entführung“, diese Momente der „Entrückung“.

Wenn ich diese Entführung beschreibe, insbesondere bei heiligen Menschen, entsteht bei uns der Eindruck, das sei nur für Auserwählte, für andere, nicht für mich. Und doch: Jeder von uns kann Momente der Freude erleben. Meistens steht echte Freude in Verbindung mit wahrer Liebe. Wenn wir uns geliebt fühlen, dann entsteht ganz natürlich ein Gefühl der Freude. Sie hat keinen materiellen Kontext. Es handelt sich um eine Freude seelischer Natur.

Wir sind mit dem Satz vertraut: „Geben ist seliger als nehmen“. Die Autoren Burkhart und López (2016) haben dessen Fundament in Gott gefunden: „Die Verherrlichung Gottes ist ein Gut, dessen Besitz jede Sehnsucht des Wollens erfüllt.“ Damit wird der Begriff „Entführung“ präzisiert. Eine Voraussetzung für diese Entführung ist der Wunsch, Gott verherrlichen zu wollen, d. h., ihm Ehre zu erweisen.

Wir sind in einem familiären Umfeld aufgewachsen und haben daher von Kindesbeinen an Erfahrung, was es heißt, jemandem eine Freude bereiten zu wollen. Aber hier geht es nicht direkt um Ehepartner, Eltern oder Kinder, sondern um Gott!

Bislang haben wir nicht betrachtet, ob das Gesagte erstrebenswert ist oder nicht. Das Schöne dabei: Diese Entrückung, diese „Entführung“, kommt nicht auf eigene Initiative zustande; es ist vielmehr Gott, der uns diesen Zustand der Glückseligkeit schenkt. Gott ist sehr großzügig; dafür braucht er jedoch unsere Mitwirkung. Es ist schwer vorstellbar, dass diese Entführung bei jemandem geschieht, der Gott hasst oder ihn willentlich ignoriert, oder immer nur an sich denkt. Im Alten Testament heißt es: „Sucht den Herrn mit reinem Herzen, denn er lässt sich finden von denen, die ihn nicht versuchen, und zeigt sich denen, die ihm nicht misstrauen.“ (Weisheit 1:1-2)

Es gibt Menschen in unserem Umfeld – seien es Familienmitglieder, Freunde oder Kollegen –, deren Anwesenheit uns eine tiefe Freude bereitet. Das ist ein klares Indiz für eine tiefe Beziehung. Gleiches gilt für Gott. Diese Momente der Entführung sind nicht einfach Hirngespinste. Es die Antwort Gottes auf unsere Liebenswürdigkeiten mit ihm oder mit unseren Mitmenschen. Unser feinfühliger, demütiger Umgang mit ihm führt zu einer Intimität, wo diese Entführungen häufig vorkommen können.

Eine Anekdote meines Freunds Johann, über den ich auf das Thema „Entführungen Gottes“ aufmerksam geworden bin, passt dazu. Er meinte:

In Situationen, wo ich allein bin, beim Autofahren, beim Bergsteigen oder Radfahren, habe ich den Eindruck, dass Gott diese Momente, wo ich nicht von anderen Beschäftigungen abgelenkt bin, nutzen will, um mit mir in einen intensiven Dialog zu treten. Mir kommt es so vor, dass er eigentlich immer bei uns präsent sein will. Nur, wir sind (fast) immer beschäftigt: Arbeit, Telefonate, Gespräche mit anderen usw. Dann, wenn ich allein bin, hat er eine ‚Chance‘, mit mir in Verbindung zu treten. Nicht immer, aber oft spüre ich dann die Nähe Gottes mit einer weit höheren Intensität als in Zeiten des Gebetes. Als ich anfing, das zu erleben, war ich irritiert. Ich verstand nicht, was da geschah. Mittlerweile habe ich verstanden, dass Gott eine Freude hat, bei uns zu sein. Nicht zuletzt heißt es im Buch der Sprüche (8:31): Meine Freude ist es, bei dem Menschensohn zu sein. Einmal war ich so dreist, Jesus auf den Arm zu nehmen und ihm zu sagen, er hat es von mir kopiert, das mit dem Auf-den-Berg-Gehen, um zu beten, wie im Evangelium steht.

Johann hat uns dieses schöne Zitat aus dem Buch der Sprüche in Erinnerung gerufen, das ich für sehr relevant für unsere Lebensgestaltung halte. „Gott wohnt mitten unter uns“, würden wir heute in einer einfachen Sprache sagen. Wenn Gott aber tatsächlich bei uns ist, sollten wir ihm dann nicht Eingang in unser Leben gewähren? Schnelle Antwort: Ja. Dann stelle ich die nächste Frage: Lässt sich dieser „nette“ Vorsatz in unseren Alltag integrieren? Wenn ich mir Johann anschaue, dann ja! Das wäre wohl die logische Konsequenz!

Gehen wir mit Gott um, als wäre er ein Freund in unserer Nähe. Achten wir auf seine Wünsche, erzählen wir ihm von uns! Daraus entsteht eine tiefe Beziehung. Und wenn er es für angebracht hält, wird er uns diese Momente der tiefen Innerlichkeit schenken, die wir hier liebevoll Entführungen genannt haben. Wir suchen diese nicht, Gott schenkt sie uns, wenn er es für angebracht hält. Respektieren wir seine Freiheit und beschenken wir ihn mit einem feinfühligen, demütigen Umgang.

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Von: Dr. Karl-Maria de Molina

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Apr 17, 2024
Genießen Apr 17, 2024

Das Leben lief alles andere als rund für Cornelia Wilhelm. Nach zwei Totgeburten, Problemen mit den Kindern und Schwierigkeiten in der Ehe wusste sie, dass es so nicht mehr weitergehen konnte. Deshalb schloss sie einen Deal mit Gott …

Es war in der Zeit, als mein Bruder ins Studium ging. Er war acht Jahre jünger als ich und eigentlich immer ein Mamajunge gewesen – und plötzlich vollkommen verändert. Zwar waren wir katholisch aufgewachsen; nun aber war er zu einem lebendigen Glauben an Jesus gekommen und wusste, was er wollte. Was er sagte, beeindruckte mich wenig; aber dass er sich so verändert hatte, ließ mich nicht mehr in Ruhe.

Ein Fall für Gott

Ich war 33 Jahre alt – und schon jetzt war mein Leben deutlich anders verlaufen, als ich es mir vorgestellt hatte. Erst hatte ich zwei Totgeburten. Dann hatten wir doch noch einen Sohn bekommen, aber wegen meiner Erfahrungen machte ich mir ständig Sorgen um ihn. Mein Mann Rudolf und ich adoptierten später noch einen Sohn; doch auch er orientierte sich mehr an meinem Mann als an mir. Und schließlich lief auch unsere Ehe nicht gerade toll. Dabei war mir die Familie doch immer das Wichtigste gewesen! Mir war klar, dass es so nicht weitergehen konnte. Eigentlich wäre ich ein Fall für einen Psychologen gewesen. Aber nachdem mein Bruder sich so verändert hatte, suchte ich Hilfe bei Gott. Mich ließ die Frage, ob und wie man zu Gott finden könnte, einfach nicht mehr los.
Schließlich schloss ich einen Deal mit Gott. Ich sagte ihm: „Wenn es dich wirklich gibt, dann möchte ich das auch sicher wissen. Ich gehe nicht nur in die Kirche und mache irgendwelche Rituale mit, sondern ich will Bescheid wissen. Wenn ich sicher bin, dass es dich gibt, dann gehöre ich dir.“ Das war mein Deal. Dass Gott sich hierauf einlassen würde, hätte ich mir nie träumen lassen.

Gewissheit

Am 21. Juni war ich mit Freundinnen zu einer Wanderung unterwegs. Weil es die Nacht der „Sonnenwende“ war, meinte eine Freundin, dass man dieses Ereignis in der Natur feiern müsse; dann würden auch „Strömungen“ zu spüren sein. Ich hatte keine Ahnung, dass dies ein zutiefst heidnisches Ritual war. Als wir nun aber im Feld waren, merkte ich, dass ich hier nicht länger bleiben könnte. Ich hatte einen starken Drang wegzugehen. Also ging ich zu einer Bank etwas abseits, um mich hinzusetzen. Plötzlich überkam es mich. Ich war überwältigt von einer starken Freude, wie ich sie ich noch nie gespürt hatte. Und ich hatte eine tiefe Gewissheit, dass Gott wirklich da ist! Mein Bruder hatte nicht übertrieben; Gott lebt, ER ist erfahrbar! Denn dass es Gott war, der mich hier mit seinem Heiligen Geist erfüllte, war ohne weiteres klar. Mit einem Schlag wusste ich auch, dass meine Probleme in besten Händen waren. Sofort lief ich zu den anderen Frauen und berichtete ihnen aufgeregt von meinem Erlebnis. Doch sie sahen mich nur irritiert an.

Ich war seitdem in Gott verliebt wie ein Teenie. ER gab mir Kraft und Trost bei allen Problemen und Schwierigkeiten in meinem Leben. Ich begann, abends mit den Kindern zu beten und erzählte ihnen von Gott. Jeden Abend ging ich eine Stunde lang spazieren und redete mit ihm. Am Anfang betete ich vor allem zum Vater, doch allmählich entwickelte ich auch eine persönliche Beziehung zu Jesus Christus. Ich begann, täglich in der Bibel zu lesen – was für mich eine Form wurde, mit Gott in Kontakt zu treten, der hierdurch konkret zu mir spricht und mir seine Liebe zeigt.

Auch meine Einstellung zum Leben änderte sich. Hatten mich seit meinen schweren Schwangerschaften stets Ängste begleitet, erwarte ich jetzt erst einmal Gutes vom Leben, weil ER da ist und ich IHM das zutraue. Ich bin nie mehr allein. Als ich dann wieder schwanger wurde, vertraute ich das Kind sofort Gott an. Ich hatte daraufhin eine sehr gute Schwangerschaft. Wir bekamen ein wunderbares, acht Pfund schweres Kind – unsere erste Tochter, die sich mein Mann so sehr gewünscht hatte.

Den Schatz gefunden

Nach meinem Erlebnis erzählte ich allen möglichen Menschen in meinem Umfeld von Gott. Rudolf war entsetzt und bedrängte mich, damit aufzuhören. Doch wie hätte ich das tun sollen? Dann hätte ich auch gleich damit aufhören können zu atmen!

Ich engagierte mich damals ehrenamtlich bei der Telefonseelsorge. Bei meiner nächsten Supervision erzählte ich sofort, was mir passiert war. Doch auch hier traf mich nur das Entsetzen der Kollegen. „Du bist ja in einer Sekte“, meinten einige.

Auch mein Mann dachte, dass das mit uns nichts mehr werden könne. So ging es 15 Jahre. Es war eine sehr schwierige Zeit. Alles, was mir wichtig war, konnte ich ihm nicht erzählen. Immerhin begann er im Laufe der Jahre, selbst auch über seine Gottesbeziehung nachzudenken, weil er an mir merkte, dass es mir um Gott ganz persönlich ging. Er konnte sehen, dass ich den Schatz im Acker gefunden hatte und nicht bloß den Acker.

Als unser Adoptivsohn in die Pubertät kam, von mehreren Schulen flog, rauschgiftabhängig wurde und sogar wegen Drogenhandels vor Gericht kam, konnten Rudolf und ich zumindest zusammen für den Jungen beten. Unser Sohn war damals ganz schrecklich zu uns. Aber auch das war eine Zeit, die Gott benutzte: Damals lernte ich, unseren Sohn ohne jede Vorbedingung zu lieben – ohne, dass ich selbst etwas von ihm zurückbekam. Heute haben wir ein gutes Verhältnis; er hat selbst zwei Kinder und eine gute Arbeit.

Liebe zur katholischen Kirche

Eines Tages lud mich eine Bekannte zu einem Alphakurs, einem Glaubenskurs, in einer Freikirche ein. Zu meiner Überraschung wollte auch Rudolf mitkommen. Im Anschluss an eines der Treffen betete einer der Teilnehmer, den wir gar nicht kannten, für Rudolf und sprach in seinem Gebet genau die Dinge an, die meinen Mann umtrieben. Das bewegte Rudolf tief und brachte auch ihn zu der Erkenntnis, dass Gott wirklich lebendig ist.

Einige Jahre gingen mein Mann und ich nun gemeinsam in die Freikirche, was uns beiden sehr guttat. Zumindest gelegentlich besuchte ich aber weiterhin die katholische Kirche, weil ich Sehnsucht nach der Eucharistie hatte. Eines Tages legte mir ein Gastprediger aus England die Hände auf und betete für mich. Ich fühlte mich danach wie am ganzen Körper gesalbt. Ich fragte Gott: „Womit salbst du mich?“ Die Antwort, die ich tief in meinem Inneren vernahm, war: „Mit Liebe zur katholischen Kirche.“ Ich war verwirrt. Ausgerechnet auf einem freikirchlichen Gebetstreffen zeigte mir der Herr die Liebe zur katholischen Kirche? Ein Priester, den wir kannten, lud uns kurz darauf in einen Gebetskreis ein, in dem auch viel frei gebetet wurde. Hier fanden wir den lebendigen Glauben und die Liebe zum Herrn, die wir bisher nur in der Freikirche kennengelernt hatten. So kehrten wir zurück in die katholische Kirche. Meine Liebe zur Eucharistie ist seitdem noch mehr gewachsen, und ich gehe auch regelmäßig zur Beichte.

Das Erlebnis am 21. Juni war tatsächlich eine „Sonnenwende“ in meinem Leben – vom Dunkel zum Licht! Gott hat seinen Teil des Deals erfüllt. Denn heute weiß ich: ER lebt! ER ist lebendig – und persönlich erfahrbar! Die Freude an Gott hat mich nie mehr verlassen. Und ich habe seine Barmherzigkeit erfahren. Wenn ich wieder einmal so viel Mist gebaut habe, dass ich über mich selbst erschrecke, weiß ich, dass er mir immer wieder vergibt – und dass ER nur darauf wartet, dass ich zu ihm zurückkehre.

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Von: Cornelia Wilhelm

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Apr 17, 2024
Genießen Apr 17, 2024

Es gibt eine bedauerliche Interpretation des Kreuzes, die sich leider in den Köpfen vieler Christen festgesetzt hat. Es handelt sich um die Auffassung, dass das blutige Opfer des Sohnes am Kreuz den Vater „befriedigt“ hat: die Besänftigung eines Gottes, der unendlich zornig auf die sündhafte Menschheit ist. Nach dieser Lesart ist der gekreuzigte Jesus wie ein Kind, das in den feurigen Mund einer heidnischen Gottheit geworfen wird, um deren Zorn zu besänftigen.

Doch was diese verkehrte Theologie letztlich widerlegt, ist die bekannte Stelle aus dem Johannesevangelium: „Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat.“ (Johannes 3,16)

Damit macht Johannes deutlich, dass der Vater den Sohn nicht einfach aus Zorn, Rache oder aus einem Wunsch nach Vergeltung sendet, sondern aus Liebe. Gott, der Vater, ist keine jämmerliche Gottheit, deren verletzte persönliche Ehre wiederhergestellt werden muss; Gott ist vielmehr ein Vater, der vor Mitleid mit seinen Kindern brennt, weil sie sich in Gefahr begeben haben.

Hasst der Vater die Sünder? Nein, aber er hasst die Sünde. Ist Gott entrüstet über die Ungerechten? Nein, aber Gott verachtet die Ungerechtigkeit. Deshalb schickt Gott seinen Sohn auch nicht aus einer Freude heraus, ihn leiden zu sehen, sondern aus Barmherzigkeit, um die Dinge wieder in Ordnung zu bringen.

Der heilige Anselm von Canterbury, der große mittelalterliche Theologe, der oft zu Unrecht für die grauenhafte Theologie der Genugtuung verantwortlich gemacht wird, war in diesem Punkt sehr klar. Wir Sünder sind wie Diamanten, die in den Dreck gefallen sind. Nach dem Bild Gottes geschaffen, haben wir uns durch Gewalt und Hass beschmutzt. Gott, so Anselm, hätte einfach ein Wort der Vergebung vom Himmel aussprechen können, doch das hätte das Problem nicht gelöst. Das allein hätte den Diamanten nicht wieder zu ihrem ursprünglichen Glanz verholfen. Stattdessen stieg Gott in seinem leidenschaftlichen Bemühen, die Schönheit der Schöpfung wiederherzustellen, in den Dreck der Sünde und des Todes hinab, holte die Diamanten herauf und polierte sie.

Natürlich musste Gott sich dadurch selbst schmutzig machen. Genau dieses Hinabsteigen in den Schmutz – diese göttliche Solidarität mit den Verlorenen – ist das „Opfer“, das der Sohn zum unendlichen Wohlgefallen des Vaters bringt. Es ist ein Opfer, das nicht Zorn oder Rache zum Ausdruck bringt, sondern Mitleid.

Jesus sagte, dass jeder seiner Jünger bereit sein muss, sein Kreuz auf sich zu nehmen und dem Meister zu folgen. Wenn aber Gott solch eine selbstvergessene Liebe bis zum Tod ist, dann müssen auch wir eine solche Liebe sein. Wenn Gott bereit ist, sein eigenes Herz aufzubrechen, dann müssen auch wir bereit sein, unser Herz für andere aufzubrechen. Kurz gesagt, muss das Kreuz die eigentliche Struktur unseres christlichen Lebens werden.

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Von: Bischof Robert Barron

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Apr 17, 2024
Genießen Apr 17, 2024

Noch ganz begeistert von der guten Nachricht einer lang ersehnten Schwangerschaft, gerät während eines Routine-Ultraschalls in der 12. Woche ihre Welt aus den Fugen.

Unsere Erstgeborene, Mary Grace, wuchs zu einem wunderschönen Kind heran. Unsere Familie und Freunde hatten aktiv für ein weiteres Baby gebetet, und so waren wir überglücklich, als wir von einer weiteren Schwangerschaft erfuhren! Die pränatalen Tests zeigten normale Ergebnisse, und wir beschlossen, das Geschlecht des Babys eine schöne Überraschung sein zu lassen.

Als ich in der 12. Woche zum Routine-Ultraschall ging, zeigte mir der Techniker das Seitenprofil des Babys und drehte dann den Bildschirm schnell von mir weg.
Sie führten meine Tochter hinaus, und ich wusste sofort, dass etwas nicht stimmte. Ich dachte: „Vielleicht hat das Baby eine Art Herzfehler oder einen anderen Fehler, aber das ist in Ordnung. Gott kann alles heilen, und wir können es operieren lassen.“
Als Ärztin betete ich aber auch: „Bitte, Gott, lass es keine Anencephalie sein.“ Da ich einen Blick auf den Ultraschall geworfen hatte, war ich zuversichtlich, dass es sich um etwas anderes handeln würde.

Als die Ärztin den Raum betrat, bat ich sie: „Bitte sagen Sie mir, dass das Baby lebt.“ Mit ernstem Gesicht sagte sie: „Ja, das Baby hat einen Herzschlag, aber es sieht nicht gut aus.“ Ich fing an zu weinen und rief meinen Mann über Facetime an. Es war das, was ich am meisten befürchtet hatte: Unser Baby hatte Anencephalie,
eine jener schweren Fehlbildungen, die ein Baby im Mutterleib haben kann, bei der sich der Schädel nicht richtig entwickelt. Die Ärztin sagte mir, dass das Baby nicht lange leben würde.

Es war herzzerreißend. Dieses kostbare Kind, auf das wir so viele Jahre gewartet hatten, würde nicht leben! Ich dachte daran, wie aufgeregt meine ältere Tochter war. In unserem täglichen Familiengebet sagte sie immer: „Jesus, bitte lass mich einen kleinen Bruder oder eine kleine Schwester haben“. In Gedanken sagte ich immer wieder: „Herr, du kannst heilen, du kannst das Baby heilen.“

Mein Mann kam sofort. Ich bemühte mich, keine Miene zu verziehen, und erzählte meiner Tochter, dass ich Tränen der Freude weinte. Was hätte ich sonst sagen sollen?

Die Ärztin sagte, wir könnten die Schwangerschaft abbrechen. Ich sagte: „Auf gar keinen Fall. Ich werde das Baby austragen, solange es lebt. Wenn es 40 Wochen sind, dann sind es eben 40 Wochen.“ Doch sie warnte mich, dass ich es wahrscheinlich nicht so lange schaffen würde und dass ich, falls das Baby im Mutterleib sterben würde, eine schwere Blutinfektion bekommen könnte. Außerdem brauchte ich häufige Kontrolluntersuchungen, da Flüssigkeitsansammlungen in meiner Gebärmutter sehr gefährlich sein könnte. Ich sagte ihr, dass ich zu allem bereit sei. Zum Glück wurde ich nicht weiter unter Druck gesetzt, auch nicht bei den folgenden Besuchen. Sie wussten, dass ich meine Entscheidung getroffen hatte!

Zur Hoffnung bestimmt

Wir kamen nach Hause und verbrachten einige Zeit damit, gemeinsam zu beten und zu weinen. Ich rief meine Schwester an, die Gynäkologin war. Sie rief viele Freunde an, vor allem von der Jesus Youth, und begann noch in derselben Nacht eine Zoom-Novene. Wir sagten unserer Tochter einfach, dass das Baby „ein kleines Problemchen“ habe, aber es ansonsten in Ordnung sei. Auch unseren Eltern und Schwiegereltern sagten wir nichts, denn meine Schwester sollte in einem Monat heiraten, und wir wollten nicht, dass die Hochzeit dadurch beeinträchtigt sein würde. Und wir meinten auch, dass sie es nicht mit der gleichen Stärke, die wir fühlten, tragen könnten.

In den ersten Tagen sprachen viele Menschen mit mir und halfen mir, auf Gottes Vorsehung zu vertrauen und zu glauben, dass Er nichts tut, was nicht gut für uns ist. Ich fühlte einen großen Frieden. Ich dachte an die Gottesmutter Maria – an ihre Freude über die frohe Botschaft bei der Verkündigung und ihre spätere Trauer darüber, dass Jesus sterben würde. An diesem Tag beschlossen wir, den Brief mit dem Geschlecht des Babys zu öffnen, denn zu diesem Zeitpunkt wollten wir für das Baby beten und ihm einen Namen geben.

Wir nannten sie Evangeline Hope, was so viel bedeutet wie „die Überbringerin der guten Nachricht“, weil sie für uns immer noch die Hoffnung auf die Liebe und Barmherzigkeit Christi ausstrahlte. Nicht ein einziges Mal dachten wir daran, sie abzutreiben, weil sie nicht nur für uns, sondern auch für alle anderen eine gute Nachricht war – ein Kind, das die Welt in vielerlei Hinsicht evangelisieren würde.

Ich schloss mich einer Anencephalie-Selbsthilfegruppe an, die mir auf meinem Weg auch sehr half. Ich traf viele Menschen, sogar Atheisten, die ihre Entscheidung, ihr Kind abzutreiben, zutiefst bedauerten. Ich kam in Kontakt mit Frauen, die aus gespendeten Hochzeitskleidern Engelskleider nähten, und mit professionellen Fotografen, die sich bereit erklärten, die Geburt mit wunderschönen Fotos zu dokumentieren.

Auf der Hochzeit unserer Schwester gaben wir das Geschlecht bekannt, aber sagten niemandem, dass das Baby krank war. Wir wollten einfach nur ihr kleines Leben ehren und feiern. Meine Schwester und ihre Freunde organisierten auch eine wunderschöne Babyparty (oder eher eine Feier des Lebens), und anstelle von Geschenken schrieben alle Briefe an das Baby, die wir nach der Geburt lesen sollten.

Ewige Anbeterin

Ich trug sie bis zur 37. Woche in mir.

Trotz einer komplizierten Entbindung, bei der die Gebärmutterwand riss, wurde Evangeline nicht lebend geboren. Aber irgendwie erinnere ich mich an ein tiefes Gefühl des himmlischen Friedens. Sie wurde mit so viel Liebe, Würde und Ehre empfangen. Ein Priester und ihre Paten warteten darauf, Evangeline kennenzulernen. Dort im Krankenhauszimmer hatten wir eine schöne Zeit des Gebets, des Lobpreises und der Anbetung.

Wir hatten wunderschöne Kleider für sie. Wir lasen die Briefe vor, die alle an sie geschrieben hatten. Wir wollten sie mit mehr Würde und Ehre behandeln als ein „normales“ Kind. Wir weinten, weil wir ihre Anwesenheit vermissten, aber auch aus Freude darüber, dass sie jetzt bei Jesus war. In diesem Krankenhauszimmer dachten wir: „Wow, ich kann es kaum erwarten, in den Himmel zu kommen. Lasst uns unser Bestes tun, um dort mit all den Heiligen zu sein.“

Zwei Tage später feierten wir eine „Feier des Lebens“ für sie, und alle trugen Weiß. Die Messe wurde von vier Priestern zelebriert, und drei Seminaristen und ein wunderschöner Chor waren zu Ehren unseres kostbaren Babys da. Evangeline wurde in der „Engel-Abteilung“ für kleine Babys auf dem Friedhof begraben, den wir oft besuchen. Obwohl sie nicht mehr hier auf Erden ist, ist sie ein wichtiger Teil unseres Lebens. Ich fühle mich Jesus näher, weil ich sehe, wie sehr Gott mich liebt und wie er mich auserwählt hat, sie zur Welt zu bringen.

Ich fühle mich geehrt. Sie ist eine ewige Anbeterin für unsere Familie, die uns auf eine Weise zur Heiligkeit bringt, wie es durch keine andere Situation jemals möglich gewesen wäre. Es war die reine Gnade Gottes und die volle Annahme seines Willens, die uns die Kraft gaben, das durchzustehen. Wenn wir Gottes Willen annehmen, schenkt er uns die Gnade, die wir brauchen, um jede Situation zu bewältigen. Alles, was wir tun müssen, ist, uns seiner Vorsehung zu überlassen.

Heilige erziehen

Jedes ungeborene Kind ist kostbar; ob gesund oder krank, es ist immer ein Geschenk Gottes. Wir sollten unsere Herzen öffnen, um diese nach dem Bild Christi geschaffenen Kinder zu lieben, die meiner Meinung nach wertvoller sind als ein „normales“ Kind. Sich um sie zu kümmern, ist, wie sich um den verwundeten Christus zu kümmern. Es ist eine Ehre, ein Kind mit Behinderung oder besonderen Bedürfnissen zu haben, denn die Sorge um es hilft uns, einen tieferen Zustand der Heiligkeit zu erreichen im Leben. Wenn wir diese kranken Kinder als Geschenke – als reine Seelen – sehen, würde es sich nicht einmal wie eine Last anfühlen. Ihr werdet inmitten von euch einen Heiligen aufziehen, der neben all den Engeln und Heiligen sitzen wird.
Unser jüngster Sohn, Gabriel, wurde letzten Oktober geboren. Als wir ihn erwarteten, beteten wir um die Gnade, ihn mit offenen Herzen und Armen zu empfangen, selbst wenn bei ihm eine Diagnose gestellt werden würde. Gott sei Dank war es Gottes Wille, dass Gabriel als wunderschönes, gesundes Baby geboren wurde – Dank der Fürsprache seiner Schwester im Himmel.

Jedes Leben ist ein kostbares Geschenk. Wir sind nicht die Urheber des Lebens. Wir müssen immer daran denken, dass es Gott ist, der gibt, und Gott ist, der nimmt. Gepriesen sei der Name des Herrn!

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Von: Dr. Hima Pius

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Apr 17, 2024
Genießen Apr 17, 2024

Es erfordert Mut, ein 1000-teiliges Puzzle anzufangen und zu beenden; so ist es auch im Leben.

Letztes Jahr zu Weihnachten erhielt ich beim Wichteln auf der Arbeit ein 1000-teiliges Puzzle mit den Zwölf Aposteln der berühmten Great Ocean Road (einer spektakulären Gruppe von Felsformationen im Südwesten Victorias, Australien).

Ich hatte lange keine Lust, damit anzufangen. Schon ein paar Jahre zuvor hatte ich drei davon mit meiner Tochter gemacht und wusste daher, wie anstrengend das ist. Als ich jedoch die drei fertigen Puzzles betrachtete, die im Haus hingen, verspürte ich trotz meiner Trägheit einen inneren Impuls, über die „Zwölf Apostel“ zu meditieren.

Auf wackligem Boden

Ich fragte mich, wie sich die Apostel Jesu wohl fühlten, als er am Kreuz starb und sie verließ. Die frühesten christlichen Quellen, darunter die Evangelien, berichten, dass die Jünger am Boden zerstört waren, voller Unglauben und Angst, und dass sie sich versteckten. Am Ende von Jesu Leben ging es ihnen nicht gut.

In gewisser Weise fühlte ich mich zu Beginn des Jahres auch so – ängstlich, unruhig, traurig, untröstlich und unsicher. Ich hatte mich immer noch nicht ganz von dem Schmerz über den Verlust meines Vaters und eines engen Freundes erholt. Ich muss zugeben, dass das meinen Glauben erschüttert hatte. Es schien, als seien meine Leidenschaft und meine Energie für das Leben von Lethargie, Lauheit und einer dunklen Nacht der Seele überwältigt worden, die meine Freude, meine Energie und meinen Wunsch, dem Herrn zu dienen, zu überschatten drohten (und es manchmal auch schafften). Ich konnte sie nicht loswerden, trotz meiner größten Bemühungen.

Wenn wir es aber nicht bei dieser enttäuschenden Episode der Jünger belassen, die vor ihrem Meister davonlaufen, sehen wir dieselben Männer am Ende der Evangelien, die auf einmal bereit sind, sich der Welt zu stellen und sogar für Christus zu sterben. Was hatte sich geändert?

Die Evangelien berichten, dass die Jünger durch das Zeugnis des auferstandenen Christus verwandelt wurden. Als sie nach Bethanien gingen, um seiner Himmelfahrt beizuwohnen, Zeit mit ihm verbrachten, von ihm lernten und seinen Segen empfingen, hatte dies eine starke Wirkung auf sie. Er gab ihnen nicht nur Anweisungen, sondern auch ein Ziel und ein Versprechen. Sie sollten nicht nur Boten sein, sondern auch Zeugen. Er versprach, sie auf ihrer Mission zu begleiten, und gab ihnen einen mächtigen Helfer.

Dafür habe ich in letzter Zeit gebetet – für eine erneute Begegnung mit dem auferstandenen Jesus, damit mein Leben auf göttliche Weise erneuert wird.

Nicht aufgeben

Als ich dann das Puzzle begann und versuchte, dieses szenische Wunder der zwölf Apostel zusammenzusetzen, erkannte ich, dass jedes Teil von Bedeutung ist. Jede Person, der ich in diesem neuen Jahr begegnen werde, wird zu meinem Wachstum beitragen und mein Leben bereichern. Sie werden in verschiedenen Farbtönen kommen – einige stark, andere subtil, einige in hellen Pigmenten, andere grau, einige in einer magischen Kombination von Farbtönen, während andere stumpf oder heftig sein werden, aber jeder wird notwendig sein, um das Bild zu vervollständigen.

Puzzles brauchen Zeit, und genauso ist es mit dem Leben. Es ist viel Geduld gefragt, wenn wir uns miteinander verbinden. Man muss dankbar sein, wenn die Verbindung hergestellt ist. Und wenn die Teile einmal nicht zusammenpassen, gibt es hoffentlich eine vertrauensvolle Ermutigung, nicht aufzugeben. Manchmal müssen wir vielleicht eine Pause einlegen, zurückkommen und es erneut versuchen. Ebenso wie das Leben, ist ein Puzzle nicht ständig in leuchtende, fröhliche Farben getaucht. Die schwarzen, grauen und dunklen Töne werden benötigt, um einen Kontrast zu erzeugen.

Es erfordert Mut, ein Puzzle zu beginnen, aber noch mehr, um es zu beenden. Geduld, Ausdauer, Zeit, Engagement, Konzentration, Opferbereitschaft und Hingabe sind gefragt. Ähnlich ist es, wenn wir beginnen, Jesus nachzufolgen. Werden wir wie die Apostel bis zum Ende durchhalten? Werden wir in der Lage sein, unserem Herrn von Angesicht zu Angesicht zu begegnen und ihn sagen zu hören: „Sehr gut, du bist ein tüchtiger und treuer Diener“ (Matthäus 25:23), oder wie der heilige Paulus sagt: „Ich habe den guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet, die Treue gehalten“ (2 Timotheus 4:7)?

In diesem Jahr könntest du auch gefragt werden: Hast du das Puzzleteil, das das Leben eines anderen Menschen verbessern könnte? Bist du vielleicht selbst das fehlende Teil?

 

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Von: Dina Mananquil Delfino

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Apr 17, 2024
Genießen Apr 17, 2024

Es war im Juli 1936, auf dem Höhepunkt des spanischen Krieges. El Pelé lief durch die Straßen von Barbastro in Spanien, als ein großer Tumult seine Aufmerksamkeit erregte. Als er dahineilte, wo er herkam, sah er, wie Soldaten einen Priester durch die Straßen schleppten. Er konnte nicht einfach am Rande stehen und zusehen; er eilte los, um den Priester zu verteidigen. Die Soldaten ließen sich jedoch nicht einschüchtern und schrien ihn an, er solle seine Waffe aus der Hand geben. Er jedoch hielt seinen Rosenkranz hoch und sagte zu ihnen: „Ich habe nur das hier.“

Ceferino Giménez Malla, liebevoll El Pelé genannt, war ein Roma – eine Gemeinschaft, die oft abwertend als Zigeuner bezeichnet und von der Mehrheitsgesellschaft verachtet wird. Doch Pelé genoss nicht nur in seiner eigenen Gemeinschaft großes Ansehen; selbst gebildete Menschen respektierten diesen Analphabeten für seine Ehrlichkeit und Weisheit.

Als er 1936 verhaftet und ins Gefängnis gesteckt wurde, war seine Frau bereits verstorben, und er war bereits Großvater.

Selbst im Gefängnis hielt er an seinem Rosenkranz fest. Alle, sogar seine Tochter, baten ihn, das aufzugeben. Seine Freunde rieten ihm, dass sein Leben gerettet werden könnte, wenn er aufhören würde zu beten. Aber für El Pelé hätte das Aufhören mit dem Beten und mit dem Rosenkranz bedeutet, seinen Glauben zu verleugnen.

So wurde er im Alter von 74 Jahren erschossen und in ein Massengrab geworfen. Als dieser tapfere Soldat Christi starb, rief er noch: „Lang lebe Christus der König!“ – und hielt immer noch einen Rosenkranz in den Händen.

Sechzig Jahre später wurde der selige Ceferino Giménez Malla als erster Angehöriger der Gemeinschaft der Roma seliggesprochen. Denn Gott ist der Erlöser für alle, die ihn anrufen, ungeachtet der Hautfarbe oder der Herkunft.

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Von: Shalom Tidings

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Apr 17, 2024
Genießen Apr 17, 2024

An einem heißen Nachmittag in den Straßen von Kalkutta traf ich einen Jungen …

Das Gebet ist unbestreitbar ein zentraler und wichtiger Bestandteil des Lebens eines jeden Christen. Jesus betonte jedoch zwei weitere Dinge, die eindeutig mit dem Gebet Hand in Hand gehen: Fasten und Almosengeben (Matthäus 6:1-21). In der Fasten- und Adventszeit sind wir besonders dazu aufgerufen, uns mehr Zeit und Mühe für alle drei asketische Praktiken zu nehmen. „Mehr“ ist das wichtige Wort. Unabhängig von der Jahreszeit, in der wir uns befinden, sind radikale Selbstverleugnung und Hingabe eine ständige Aufforderung für jeden getauften Gläubigen. Vor etwa acht Jahren hat Gott mich buchstäblich dazu gebracht, innezuhalten und darüber nachzudenken.

Unerwartete Begegnung

2015 hatte ich das große Privileg und den Segen, mir einen Lebenstraum zu erfüllen und mit einigen der bedürftigsten Brüder und Schwestern weltweit in Kalkutta, Indien, zusammen zu sein und ihnen zu dienen, wo die Armen nicht nur als arm, sondern als die „Ärmsten der Armen“ bezeichnet werden. Von dem Moment an, als ich landete, war es, als würde Strom durch meine Adern fließen. Ich spürte so viel Dankbarkeit und Liebe in meinem Herzen, dass mir diese wunderbare Gelegenheit gegeben wurde, Gott mit dem Orden der Heiligen Mutter Teresa, den Missionarinnen der Nächstenliebe, zu dienen. Die Tage waren lang, aber absolut actionreich und voller Gnade. Solange ich dort war, hatte ich nicht vor, auch nur einen Moment zu verschwenden. Jeder Tag begann um 5 Uhr morgens mit einer Stunde Gebet, gefolgt von der Heiligen Messe und dem Frühstück. Dann machten wir uns auf den Weg, um in einem Heim für kranke, mittellose und sterbende Erwachsene zu dienen. In der Mittagspause, nach einer leichten Mahlzeit, hielten viele der Ordensbrüder, bei denen ich wohnte, eine Siesta, um ihre Batterien wieder aufzuladen, damit sie am Nachmittag und am Abend wieder einsatzbereit waren.

Eines Tages beschloss ich, anstatt mich im Haus auszuruhen, einen Spaziergang zu machen, um ein örtliches Internetcafé zu finden und meine Familie per E-Mail zu kontaktieren. Als ich um eine der Ecken bog, begegnete ich einem kleinen Jungen im Alter von etwa sieben oder acht Jahren. Sein Gesicht drückte eine Mischung aus Frustration, Wut, Traurigkeit, Schmerz und Müdigkeit aus. Das Leben schien bereits seinen Tribut von ihm zu fordern. Über seiner Schulter trug er die größte robuste Einkaufstüte, die ich in meinem Leben gesehen habe. Darin waren Plastikflaschen und andere Plastikgegenstände, und sie war voll.

Mein Herz brach mir, als wir uns schweigend musterten. Dann überlegte ich, was ich diesem Jungen geben könnte. Mein Herz sank, als ich in meine Tasche griff und feststellte, dass ich nur einen kleinen Betrag an Kleingeld für das Internet dabeihatte. Es war weniger als ein Pfund in englischem Geld. Als ich es ihm gab und ihm in die Augen sah, schien sich sein ganzes Wesen zu verändern. Er war so erleichtert und dankbar, und sein schönes Lächeln erhellte sein schönes Gesicht. Wir schüttelten uns die Hände, und er ging weiter. Als ich in dieser Seitenstraße von Kalkutta stehen blieb, war ich voller Ehrfurcht, denn ich wusste, dass der allmächtige Gott mich gerade persönlich durch diese Begegnung so mächtige, lebensverändernde Lektionen gelehrt hatte.

Segen ernten

Ich spürte, dass Gott mich in diesem Moment auf wunderbare Weise gelehrt hatte, dass es nicht auf das eigentliche Geschenk ankommt, sondern auf die Bereitschaft, die Absicht und die Liebe des Herzens, mit der ein Geschenk gegeben wird. Die heilige Mutter Teresa hat das sehr schön auf den Punkt gebracht: „Wir können nicht alle große Dinge tun, aber wir können kleine Dinge mit großer Liebe tun.“ Tatsächlich sagte Paulus: „Und wenn ich meine ganze Habe verschenkte und wenn ich meinen Leib dem Feuer übergäbe, hätte aber die Liebe nicht, nützte es mir nichts.“ (1 Korinther 13:3)

Jesus beschreibt die Schönheit des Gebens – dass wenn wir geben, auch uns gegeben wird: „In reichem, vollem, gehäuftem, überfließendem Maß wird man euch beschenken; denn nach dem Maß, mit dem ihr messt und zuteilt, wird auch euch zugeteilt werden.“ (Lukas 6:38) Der heilige Paulus erinnert uns auch daran, dass Gott keinen Spott mit sich treiben lässt: „was der Mensch sät, wird er ernten.“ (Galater 6:7) Wir geben nicht, um zu empfangen, aber Gott in Seiner unendlichen Weisheit und Güte segnet uns persönlich in diesem Leben und ebenso in dem nächsten, wenn wir lieben. (Johannes 4:34-38) Denn wie Jesus uns lehrte, ist Geben seliger als Nehmen. (Apostelgeschichte 20:35)

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Von: Sean Booth

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Mrz 10, 2024
Genießen Mrz 10, 2024

Anacleto González Flores wurde Ende des 19. Jahrhunderts in Mexiko geboren. Inspiriert durch eine Predigt, die er in seiner Kindheit hörte, machte er die tägliche Messe zum wichtigsten Teil seines Lebens. Obwohl er in das Priesterseminar eintrat und hervorragende akademische Leistungen erbrachte, studierte er später Jura. Denn er erkannte, dass er nicht zum Priestertum berufen war.

Während der jahrelangen Christenverfolgung in Mexiko setzte sich Flores so heldenhaft für die Grundrechte der Christen ein, dass der Heilige Stuhl ihm für seine Bemühungen das Kreuz Pro Ecclesia et Pontifice verlieh. Während viele mexikanische Christen mutig ihr Leben für den Glauben opferten, schrieb er weiter gegen die Gräueltaten an und wurde zu einer prominenten Leitfigur während des Cristero-Bürgerkrieges (1926-1929).

Im Jahr 1927 wurde er verhaftet und grausam gefoltert – er wurde ausgepeitscht, seine Füße wurden mit Messern aufgeschnitten und seine Schulter wurde ausgekugelt. Anacleto jedoch blieb fest in seinem Glauben, ließ die Leiden über sich ergehen und weigerte sich, seine Glaubensbrüder zu verraten. Als er erschossen wurde, starb er mit den Worten: „Ich habe mich selbstlos für die Sache Jesu Christi und seiner Kirche eingesetzt. Ihr mögt mich töten, aber ihr sollt wissen, dass diese Sache nicht mit mir sterben wird.“ Er vergab seinen Mördern offen und starb mit dem Ausruf: „Ich sterbe, aber Gott stirbt nicht. Lang lebe Christus der König!“

Nachdem er jahrelang ein heiliges Leben geführt hatte, in dessen Mittelpunkt die Verehrung des Allerheiligsten Sakraments und eine beispielhafte Marienverehrung standen, übergab Flores sein Leben zusammen mit drei seiner Glaubensbrüder dem Herrn. Dieser tapfere Märtyrer wurde 2005 von Papst Benedikt XVI. seliggesprochen; 2019 wurde er zum Schutzpatron der mexikanischen Laienmissionare ernannt.

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Von: Shalom Tidings

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Feb 06, 2024
Genießen Feb 06, 2024

Der Advent ist für den Christen eine Zeit der Erwartung. Wir dürfen uns vorbereiten auf die Ankunft Christi auf Erden, um dann mit Ihm seinen Geburtstag zu feiern. Halleluja! Voller Erwartung und Hoffnung auf Ihn, der uns das ewige Leben schenkt.

Erwartungen beziehen sich immer auf ein zukünftiges Ereignis. So möchte uns Gott jedes Jahr neu mit seinen Gnaden beschenken. Doch unterscheidet sich diese Erwartung auf Gott in der Adventszeit radikal von all den anderen Erwartungen, die uns umgeben. Der Mensch stellt Erwartungen an sich selbst und seine Mitmenschen – und umgekehrt hat die Gesellschaft auch Erwartungen an den einzelnen Menschen. Letztere können wir wenig beeinflussen, jedoch gilt es, sie zu durchschauen und im persönlichen Leben von jeglichen Ideologien zu befreien. Denn in dem sanften Totalitarismus, in den unsere Gesellschaft immer mehr versinkt, ist jedes Hinterfragen untersagt und die persönliche Meinung hat stets mit den vorgeschriebenen Ideologien konform zu gehen. Dem gilt es entschieden entgegenzutreten, auch wenn man dann abgestempelt wird.

Weiter kennen wir es alle nur zu gut, dass zu hohe oder falsche Erwartungen schnell zu Enttäuschungen und Verletzungen führen können. Oft werden die Erwartungen nicht ausgesprochen, sondern einfach als vollendete Tatsache angenommen. Dies kann sehr gefährlich werden – wie ein Schlangengift, welches uns immer mehr lähmt und hindert zu leben.

Für den zum Narzissmus neigenden Mann ist es selbstverständlich, dass die anderen seine Erwartungen ohne Diskussion erfüllen müssen. Ihm sei gesagt: „Denkt dabei nicht an euch selbst, sondern an die anderen.“ (1 Korinther 10:24), denn „wer wohltätig ist, wird reich gesättigt, wer andere labt, wird selbst gelabt.“ (Sprüche 11:25)

Hingegen ist es für die zum Perfektionismus neigende Frau selbstverständlich, dass sie den Erwartungen der anderen entsprechen muss. Ihr sei gesagt: „Wenn wir sagen, dass wir keine Sünde haben, führen wir uns selbst in die Irre und die Wahrheit ist nicht in uns.“ (1 Johannes 1:8-9). Und vertrauen wir, dass Gott unendlich barmherzig ist und wir auch in unserer Unvollkommenheit unendlich geliebt sind. Und „vor allem haltet fest an der Liebe zueinander; denn die Liebe deckt viele Sünden zu.“ (1 Petrus 4:8).

Zur Zeit Jesu gab es ganz viele Erwartungen an den Messias. Sadduzäer, Pharisäer, Schriftgelehrte, Zeloten und die Essener hatten alle sehr verschiedene Vorstellungen davon, wie der Messias zu sein hatte. Maria nahm dabei die einzig richtige Haltung ein: „Mir geschehe, wie du es gesagt hast!“ (Lukas 1:38) Und: Sie „bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach.“ (Lukas 2:19). Etwas im Herzen bewahren heißt nichts Geringeres, als damit im Gebet vor Gott zu gehen und in der Stille bei Ihm zu verweilen.

Das Gebet bewirkt alle Entgiftung von falschen und zu hohen Erwartungen an sich selbst, den Mitmenschen und den toxischen Erwartungen der Gesellschaft an uns. Gehen wir besonders in der Adventszeit oft vor den eucharistischen Herrn und beten Ihn an.

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Von: Don Philipp Isenegger

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Feb 06, 2024
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Vor ca. 2024 Jahren wurde Jesus geboren. Ist das nur Geschichte, oder ist das auch für mein eigenes Leben wichtig – und für deines?

Jedes Jahr in der Adventszeit frage ich meine Schüler, was wir denn an Weihnachten eigentlich feiern. Dabei erhalte ich manch absolut schräge Antwort wie „die Kreuzigung Jesu“. Einige Schüler geben aber auch Antworten wie: „Wir erinnern uns an die Geburt Jesu vor langer Zeit“ oder „Jesus wurde Mensch, um uns von unseren Sünden zu erlösen“. Beide Antworten sind sicher nicht ganz falsch. Denn es stimmt: An Weihnachten erinnern wir uns an die Geburt Jesu. Doch ist Weihnachten viel mehr als ein bloßes Erinnerungsfest! Und es stimmt auch, dass Jesus uns von unseren Sünden erlöst hat. Aber der eigentliche Grund seines Kommens war ein ganz anderer!

Gehen wir, um das zu sehen, ganz zurück an den Beginn der Schöpfung: Am Anfang stand die Idee Gottes, mit dem Menschen ein Abbild seines Wesens zu schaffen. Warum? Um sich mit ihm zu vereinigen! Das hört sich kompliziert an, ist es aber nicht: Gott schuf den Menschen, um mit ihm in Kontakt zu treten. Wir existieren, um eine Freundschaft mit unserem Schöpfer zu leben. Das ist unsere eigentliche Berufung als Menschen!

Meine Oma sagte früher zu mir: „Mädel, sei ein guter Mensch und mach keine Fehler, dann ist der liebe Gott mit dir zufrieden.“ Heute würde ich meiner Oma antworten: „Aber Gott will doch viel mehr: Er will sich mit mir vereinigen! Er will – ganz ohne jede Vorleistung – in eine Beziehung zu mir treten und mit mir, so wie ich bin, eine Freundschaft leben.“ Und als Theologin würde ich heute auch noch ergänzen, dass wir Menschen in uns eine Struktur vorfinden, die uns „gottfähig“ macht – die in natürlicher Weise nach dieser Vereinigung strebt. Jeder Mensch sehnt sich aufgrund dieser Struktur nach Gemeinschaft, nach Begegnung, nach Freundschaft mit Gott und anderen Menschen. Denn tief in unserem Inneren wissen wir doch alle, dass die häufigsten Krisen der Menschen Beziehungs- und Sinnkrisen sind.

Er wurde einer von uns

Aber geht das überhaupt: Freundschaft mit Gott? Der große Gott, der Schöpfer des Universums, ist doch transzendent, erhaben und geistiger Natur, ohne Anfang und ohne Ende! Die verblüffende Antwort ist: Es geht nicht! Jedenfalls nicht unmittelbar. Denn die Kluft zwischen Gott und Mensch ist unüberwindbar. Und genau deshalb musste der Vater die Initiative ergreifen, wenn Er nicht nur mit uns Gemeinschaft haben wollte, sondern sich mit uns sogar vereinigen: Deshalb ließ er die Entäußerung, die Kenosis, seines Sohnes in unser Menschsein zu.

Gott begab sich in seinem Sohn in die Grenzen von Raum und Zeit, Er nahm einen menschlichen Leib an und teilte so unser Leben von der Empfängnis bis zum Tod: Unser Leben lebte Er, dieses Leben kannte er! So bekommen alle Bereiche unseres alltäglichen Lebens ihren Wert und ihre Würde. Denn Gottes Leben selbst hatte Höhen und Tiefen, Freuden und Leiden – so wie unser Leben auch! Der Sohn Gottes hat, wie es das Zweite Vatikanische Konzil ausdrückte, „sich in seiner Menschwerdung gewissermaßen mit jedem Menschen vereinigt. Mit Menschenhänden hat er gearbeitet, mit menschlichem Geist gedacht, mit einem menschlichen Willen hat er gehandelt, mit einem menschlichen Herzen geliebt. Geboren aus Maria, der Jungfrau, ist er in Wahrheit einer aus uns geworden, in allem uns gleich außer der Sünde.“ (Gaudium et Spes, 22-23)

Aber es kommt noch besser! Weihnachten ist keine Einbahnstraße. Gott kam nicht nur zu uns; wir können nun auch zu Ihm kommen! Dadurch nämlich, dass Er sich mit uns vereinigte, wurde unsere menschliche Natur in die göttliche erhoben. Denn Er gab uns Anteil an seinem Geist. Durch ihn sind wir befähigt, wie Jesus zu beten: „Vater, nicht mein Wille geschehe, sondern deiner!“ Wir sind befähigt, allen Menschen, die uns verletzt haben, zu verzeihen – so wie Er am Kreuz sogar seinen Mördern verziehen hat. Wir sind befähigt, Gott im Gebet unseren Vater zu nennen und mit ihm zu leben, so wie Jesus mit ihm lebt. Wir sind durch seine Menschwerdung befähigt.

Ich bin nicht mehr, was ich einst war

Diese Vereinigung kann sich im Gebet ereignen, im Gottesdienst oder in der Natur. Sie geschieht auch in der Feier der Eucharistie: in der Kommunion – der Vereinigung – mit Ihm. Die Heilige Edith Stein beschrieb in einem Gebet dieses Geheimnis so: „Du senkst voll Liebe Deinen Blick in meinen und neigst Dein Ohr zu meinen leisen Worten und füllst mit Frieden tief das Herz. Doch Deine Liebe findet kein Genügen in diesem Austausch, der noch Trennung lässt. Das Herz verlangt nach mehr. Dein Leib durchdringt geheimnisvoll den meinen, und Deine Seele eint sich mit der meinen.“ Und dann schreibt Edith Stein den alles entscheidenden Satz: „Ich bin nicht mehr, was einst ich war.“

Neu geboren

Was also hat Weihnachten mit mir zu tun, mit den Menschen von heute?

Das Fest der Menschwerdung Gottes kann mich in dem Bewusstsein erneuern, dass meine Berufung als Christ zuerst darin besteht, mit Jesus eine Freundschaft zu leben. Und deshalb wird es auch meine erste Sorge als Christ sein, mich darum zu kümmern, dass diese Beziehung lebendig bleibt, dass sie genährt wird und gepflegt.

So kann die Feier von Weihnachten uns erneuern: indem wir in der Beziehung mit ihm neue Menschen werden. Wir werden eine neue Schöpfung. Denn es stimmt, was der Liederdichter Angelus Silesius sagte:

„Wird Christus tausendmal zu Bethlehem geboren,
und nicht in dir, du bleibst noch ewiglich verloren.“

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Von: Cornelia Müller

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Feb 06, 2024
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Es war höchst riskant, was Johannes Prassek in seinen Predigten sagte. Denn der Erste Kaplan der Lübecker Herz-Jesu Gemeinde hielt mit seiner Kritik an den Nationalsozialisten nicht hinter dem Berg. Wohlmeinende rieten ihm daher zur Mäßigung – im eigenen Interesse. Doch das kam für den jungen Priester nicht in Frage: „Wer soll denn sonst die Wahrheit sagen, wenn es nicht die Priester tun?“ erwiderte er seinen Kritikern.

Prassek, 1911 in Hamburg geboren, stammte aus einfachen Verhältnissen. Sein Vater war Maurer. Nach dem Abitur in seiner Heimatstadt hatte er Theologie in Frankfurt und Münster studiert, bevor er 1937 in Osnabrück zum Priester geweiht wurde. In der Seelsorge zeigte der junge Kaplan ein Herz für die Jugend und für die polnischen Zwangsarbeiter, die in Lübecks Waffen- und Munitionsfabriken arbeiten mussten. Dafür lernte er extra Polnisch. Als während des verheerenden Luftangriffs auf Lübeck am 28. und 29. März 1942 das Krankenhaus gegenüber seiner Kirche zerstört wurde, half er auch bei der Bergung der unter den Trümmern eingeschlossenen Menschen. Das brachte ihm sogar das Luftschutz-Ehrenzeichen ein. Geholfen hat ihm das aber nicht. Nur zwei Wochen nach der Verleihung, am 28. Mai 1942, durchsuchte die Gestapo das Pfarrhaus und verhaftete den mutigen Geistlichen. Sein „Delikt“: die Verbreitung der nazikritischen Predigten des Münsteraner Bischofs Clemens August Graf von Galen sowie angeblich hetzerische Behauptungen in einem Kreis von Soldaten.

Mit Prassek kamen Eduard Müller und Hermann Lange (geb. 1911 und 1912), zwei weitere junge Kapläne der Propsteikirche, sowie der evangelische Pastor Karl Friedrich Stellbrink (geb. 1894) in Haft. Die Freundschaft der vier Gottesmänner über die Konfessionsgrenzen hinweg war damals höchst ungewöhnlich; es war ihre Ablehnung des Nazi-Regimes, die sie zusammenführte. Um sie abzuurteilen, kam der Zweite Senat des berüchtigten Volksgerichtshofs extra nach Lübeck. Doch auch in der Verhandlung bekräftigte Kaplan Prassek mutig seine Kritik am Nationalsozialismus. Nazi-Richter Dr. Wilhelm Crohne (1880-1945) verurteilte schließlich alle vier Angeklagten zum Tode – und schimpfte: „Alle Geistlichen sind Schufte und Hunde!“

Auch ein Gnadengesuch von Bischof Hermann Wilhelm Berning blieb wirkungslos. Am 10. November 1943 wurden Johannes Prassek und seine drei Mitangeklagten in Hamburg mit dem Fallbeil hingerichtet, die Leichname von Prassek und Müller im KZ Neuengamme verbrannt. Die Kosten von Prozess und Hinrichtung stellte die Staatsanwaltschaft zynisch den Hinterbliebenen in Rechnung.

Doch selbst eineinhalb Jahre Isolationshaft im Nazigefängnis konnten Johannes Prassek nicht brechen. Am Tag seiner Hinrichtung schrieb er an seine Familie:

„Ihr Lieben! Heute Abend ist es nun so weit, dass ich sterben darf. Ich freue mich so, ich kann es Euch nicht sagen, wie sehr. Gott ist so gut, dass er mich noch einige schöne Jahre als Priester hat arbeiten lassen. Und dieses Ende, so mit vollem Bewusstsein und in ruhiger Vorbereitung darauf sterben dürfen, ist das Schönste von allem.“

2011 fand in Lübeck die Seligsprechung der drei katholischen Priester Prassek, Lange und Müller statt, wobei auch des evangelischen Pastors Stellbrink eigens gedacht wurde.

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Von: Shalom Tidings

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