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Mai 20, 2024
Engagieren Mai 20, 2024

Ist es möglich, in der Hektik des Alltags mit Gott verbunden zu bleiben?

Manchmal habe ich den Eindruck, als durchlaufe mein Glaube jedes Jahr verschiedene Jahreszeiten. Zu bestimmten Zeiten blüht er auf wie sonnenbeschienene Sommerblumen. Das ist normalerweise während der Ferienzeit der Fall. Zu anderen Zeiten fühlt sich mein Glaube an wie im Winterschlaf – schlummernd, nicht in voller Entfaltung. Das ist bei mir typischerweise während des Semesters der Fall, wenn mein Stundenplan, im Gegensatz zu den freien Ferienzeiten, keine tägliche Anbetung oder Gebetspausen zulässt. Diese hektischen Monate sind in der Regel mit Unterricht, Hausarbeiten, Aktivitäten und Zeit mit Familie und Freunden gefüllt.

Es ist leicht, inmitten der Hektik Gott vielleicht nicht ganz zu vergessen, aber ihn doch in den Hintergrund treten zu lassen. Vielleicht gehen wir jeden Sonntag in die Kirche, beten unsere Gebete und sogar täglich den Rosenkranz, aber wir halten unseren Glauben und unser „normales“ Leben doch voneinander getrennt. Dabei sind Religion und Gott nicht nur etwas für Sonntage oder die Sommerferien. Der Glaube ist nicht etwas, an das wir uns nur in Zeiten der Not klammern sollten oder zu dem wir nur kurz zurückkehren, um zu danken und ihn dann aber schnell wieder zu vergessen. Vielmehr sollte der Glaube auch mit jedem Bereich unseres täglichen Lebens verwoben sein.

Alltäglicher Trott

Unabhängig davon, ob wir nun ein Eigenheim haben, in einem Studentenwohnheim wohnen oder bei unserer Familie leben, gibt es bestimmte Aufgaben, denen wir nicht entkommen können. Die Wohnung muss sauber sein, die Wäsche gewaschen und das Essen zubereitet werden … Alle diese Aufgaben erscheinen wie langweilige Verpflichtungen – Dinge, die nichts bedeuten, die wir aber trotzdem tun müssen. Sie nehmen sogar die Zeit in Anspruch, die wir hätten nutzen können, um dreißig Minuten in die Anbetungskapelle zu gehen oder die tägliche Messe zu besuchen. Doch wenn wir kleine Kinder zu Hause haben, die saubere Kleidung brauchen, oder Eltern, die nach der Arbeit nach Hause kommen und gerne saubere Böden vorfinden, ist das nicht immer eine realistische Alternative.

Unsere Zeit mit diesen Notwendigkeiten zu füllen, muss jedoch nicht zu einer Zeit werden, die wir Gott entziehen.

Die heilige Thérèse von Lisieux ist bekannt für ihren „kleinen Weg“. Nach dieser Methode konzentriert man sich auf die kleinen Dinge mit großer Liebe und Absicht. In einer meiner Lieblingsgeschichten schrieb die heilige Thérèse über einen Topf in der Küche, den sie nur sehr ungern abwusch (ja, auch Heilige müssen Geschirr abwaschen!). Sie empfand diese Aufgabe als unglaublich unangenehm und beschloss, sie Gott aufzuopfern. Daraufhin beendete sie diese Arbeit mit großer Freude, weil sie wusste, dass etwas scheinbar Bedeutungsloses einen Sinn bekam, indem sie Gott ins Spiel brachte. Ob wir nun Geschirr spülen, Wäsche falten oder Böden schrubben – jede langweilige Arbeit kann zu einem Gebet werden, wenn wir sie einfach Gott widmen.

Größere Freude

Wenn die Gesellschaft auf die religiöse Gemeinschaft blickt, geht sie manchmal von der Annahme aus, dass die beiden Welten niemals aufeinanderprallen können. Ich war schockiert, als ich erfuhr, dass so viele Menschen denken, man könne nicht der Bibel folgen und dennoch Spaß haben! Das könnte nämlich nicht weiter von der Wahrheit entfernt sein.

Zu meinen Lieblingsaktivitäten gehören Surfen, Tanzen, Singen und Fotografieren; damit verbringe ich einen Großteil meiner Zeit. Oft tanze ich zu religiöser Musik und erstelle Videos für Instagram, die ich mit einer Botschaft des Glaubens in der Bildunterschrift versehe. Ich habe in der Kirche als Kantorin gesungen und liebe es, meine Gaben einzusetzen, um Gott direkt zu dienen. Aber ich liebe es auch, in Shows wie The Wizard of Oz aufzutreten oder Fußballspiele zu fotografieren – weltliche Dinge, die mir große Freude bereiten. Diese Freude wird aber noch größer, wenn ich diese Aktivitäten dem Herrn darbringe.

Hinter der Bühne einer Show bete ich immer, bevor ich auftrete. Ich opfere Gott die Aufführung auf und bitte ihn, bei mir zu sein, während ich tanze oder singe. Auch das Training, um in Form zu bleiben, ist etwas, das ich genieße und das mir wichtig ist, um meine Gesundheit zu fördern. Bevor ich einen Lauf beginne, bringe ich ihn Gott dar. Oft lege ich mittendrin meine Erschöpfung in seine Hände und bitte ihn um die Kraft, mir zu helfen, die letzte Meile zu schaffen. Eine meiner liebsten Arten, mich zu bewegen und Gott anzubeten, ist ein ausgiebiger Rosenkranzlauf, bei dem ich sowohl meinen Körper als auch mein geistliches Wohlbefinden trainiere!

In Allem und Überall

Wir vergessen oft, Gott in anderen Menschen zu finden, meinen Sie nicht? Eines meiner Lieblingsbücher ist eine Biografie von Mutter Teresa. Der Autor, Pater Leo Maasburg, kannte sie persönlich. Er erinnert sich, dass er sie einmal tief im Gebet versunken sah, als sich ein Reporter zaghaft näherte, weil er Angst hatte, sie zu unterbrechen, um seine Frage zu stellen. Er war neugierig, wie sie reagieren würde, und war überrascht, als sie sich dem Reporter mit Freude und Liebe im Gesicht zuwandte, anstatt irritiert zu sein. Er bemerkte, wie sie in ihren Gedanken einfach ihre Aufmerksamkeit von Jesus auf Jesus gerichtet hatte.

Jesus sagt uns: „Amen, ich sage euch: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.” (Matthäus 25:40). Aber Jesus ist nicht nur in den Armen oder Kranken zu finden. Er begegnet uns auch in unseren Geschwistern, unseren Freunden, unseren Lehrern und Kollegen. Einfach nur Liebe, Freundlichkeit und Barmherzigkeit gegenüber denen zu zeigen, die uns über den Weg laufen, kann eine weitere Möglichkeit sein, Gott in unserem hektischen Leben Liebe zu schenken. Wenn Sie Kekse für den Geburtstag eines Freundes backen oder auch nur mit jemandem essen gehen, den Sie schon länger nicht mehr gesehen haben, können Sie Gottes Liebe in ihr Leben bringen und seinen Willen weiter erfüllen.

Wo auch immer Sie sind

In unserem eigenen Leben durchlaufen wir verschiedene Phasen, während wir altern und wachsen. Der Tagesablauf eines Priesters oder einer Klosterschwester sieht ganz anders aus als der eines gläubigen Laien, der eine Familie zu versorgen hat. Der Tagesablauf eines Gymnasiasten wird sich ebenfalls von dem einer erwachsenen Person unterscheiden.

Das ist das Schöne an Jesus: Er begegnet uns dort, wo wir sind. Er will nicht, dass wir ihn auf dem Altar zurücklassen; genauso verlässt er uns nicht einfach, wenn wir seine Kirche verlassen. Anstatt also das Gefühl zu haben, dass Sie Gott verlieren, wenn Ihr Leben hektisch wird, sollten Sie Wege finden, Ihn in alles einzuladen, was Sie tun, und Sie werden feststellen, dass alles in Ihrem Leben mit größerer Liebe und Sinn erfüllt wird.

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Von: Sarah Barry

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Apr 17, 2024
Engagieren Apr 17, 2024

Als Teenager tat ich das, was jeder Teenager versucht: Ich versuchte, mich anzupassen. Ich hatte jedoch das Gefühl, dass ich irgendwie anders war als meine Freunde. Irgendwann wurde mir klar, dass es mein Glaube war, der mich anders machte. Ich nahm es meinen Eltern übel, dass sie mir etwas mitgegeben hatten, das mich von anderen unterschied. Ich wurde rebellisch und begann, auf Partys, in Discos und Nachtclubs zu gehen.

Ich hatte keine Lust mehr zu beten. Ich wollte einfach nur Spaß daran haben, mich zu schminken, mich zu stylen, davon zu träumen, wer auf welchen Partys sein würde, die ganze Nacht zu tanzen und vor allem, einfach „dazu zu gehören“.

Aber wenn ich dann abends nach Hause kam und ganz allein auf meinem Bett saß, fühlte ich mich leer. Ich hasste, was aus mir geworden war. Es war ein totaler Widerspruch: Ich mochte nicht, wer ich war, und doch wusste ich nicht, wie ich mich ändern und ich selbst werden konnte.

In einer dieser Nächte, in denen ich allein weinte, erinnerte ich mich an das kleine Glück, das ich als Kind hatte, als ich wusste, dass Gott und meine Familie mich liebten. Damals war das alles, was zählte. Also betete ich zum ersten Mal wieder nach langer Zeit. Ich schrie nach Gott und bat ihn, mich zu diesem Glück zurückzubringen.

Ich stellte ihm eine Art Ultimatum, dass ich nie wieder zu ihm zurückkehren würde, wenn er sich mir nicht innerhalb des nächsten Jahres offenbaren würde. Es war ein ebenso gefährliches wie mächtiges Gebet. Ich sprach das Gebet und vergaß es dann völlig.

Einige Monate später wurde mir die Holy Family Mission vorgestellt, eine Hausgemeinschaft, in der man seinen Glauben und Gott kennenlernen kann. Dort gab es tägliches Gebet, ein Leben mit den Sakramenten, regelmäßige Beichte, täglichen Rosenkranz und die Andacht der Heiligen Stunde. Ich weiß noch, wie ich dachte: „Das ist viel zu viel Gebet für einen einzigen Tag!“ Damals konnte ich Gott nicht einmal fünf Minuten meines Tages widmen.

Irgendwie kam ich dazu, mich für die Mission zu bewerben. Jeden Tag saß ich im Gebet vor dem Allerheiligsten und fragte Ihn, wer ich bin und was der Sinn meines Lebens ist. Langsam, aber sicher offenbarte sich mir der Herr durch die Heilige Schrift und dadurch, dass ich Zeit in der Stille mit ihm verbrachte. Allmählich wurden meine inneren Wunden geheilt, und ich wuchs im Gebet und in der Beziehung zum Herrn.

Von der rebellischen Teenagerin, die sich völlig verloren fühlte, zu einer fröhlichen Tochter Gottes – es war eine ziemliche Wandlung, die ich durchgemacht habe. Gott will, dass wir ihn kennen. Er offenbart sich uns, weil er jedes einzelne Gebet, das wir an ihn richten, treu erhört.

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Von: Patricia Moitie

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Apr 17, 2024
Engagieren Apr 17, 2024

Die Fastenzeit steht vor der Tür. Zögern Sie auch, auf Ihre Lieblingssachen zu verzichten?

Als ich aufwuchs, war ich ein wildes Kind mit einer ziemlich großen Klappe und einer großen Liebe zur Musik. Eine meiner frühesten Erinnerungen ist, dass ich ganz allein das Radio einschaltete und wie von Zauberhand Musik aus dem kleinen Kasten kam. Es war, als ob sich eine ganz neue Welt für mich öffnete!

Meine ganze Familie liebte Musik, und wir haben oft gesungen, Klavier gespielt, Gitarre gespielt, klassische Musik gehört oder unsere eigenen Lieder erfunden. Ich weiß noch, dass ich dachte, das Leben wäre so viel besser, wenn im Hintergrund ein schöner Soundtrack laufen würde.

Diese Liebe zur Musik habe ich an meine Kinder weitergegeben. Als junge Familie hatten wir Lieder für so ziemlich jede Situation, auch für unsere Gebetszeiten. Heute sind wir alle in irgendeiner Form musikalisch tätig, und ich bin derzeit Kirchenmusikerin in zwei Kirchengemeinden. Musik ist eine Quelle großer Freude und des Lebens!

Eines Tages jedoch wurde mir klar, dass ich zu sehr an der Musik hing.
In dieser Fastenzeit habe ich aufgehört, im Auto Musik zu hören. Das war für mich echt heftig, denn ich höre beim Autofahren eigentlich immer Musik. Diese Angewohnheit war besonders schwer zu überwinden. Es war wie eine automatische Reflexreaktion. Jedes Mal, wenn ich in mein Auto einstieg, flog meine Hand hoch, um eine CD einzulegen.

Aber ich blieb hartnäckig und trainierte schließlich meine Hand, keine Tasten zu berühren, sondern stattdessen das Kreuzzeichen zu machen. Dann ersetzte ich das Musikhören durch das Gebet, insbesondere durch das Beten des Rosenkranzes. Das war vor sieben Jahren, und ich habe es nicht bereut. Vielmehr habe ich diese Auszeit mit Gott sehr schätzen gelernt.

Eine Auszeit mit dem Herrn gibt uns Raum, den wir alle dringend brauchen, um uns von äußeren Dingen zu lösen und uns mit unserem inneren Leben zu verbinden. Sie hilft, uns zurückzulehnen und besser auf Gott zu hören. Erinnern Sie sich daran, wie sich der Evangelist Johannes beim letzten Abendmahl an die Brust Jesu lehnte. Stellen Sie sich nun vor, Sie selbst würden sich so nah an Ihn lehnen, dass Sie den Herzschlag Jesu spüren könnten.

Gott möchte, dass wir uns an ihn anlehnen. Er möchte, dass wir in unserem täglichen Leben Raum schaffen, in dem wir unseren Kopf auf Seinem Heiligsten Herzen ruhen lassen und von Ihm lernen oder einfach unsere müden Seelen zur Ruhe kommen lassen.

Da ich Musik liebe, ging mir früher immer eine Melodie durch den Kopf, und das war oft eine echte Ablenkung. Wenn ich jetzt eine Melodie im Kopf habe, halte ich inne und frage Gott, ob er mir damit etwas mitteilen will. Heute Morgen bin ich zum Beispiel zu einer Melodie aufgewacht, die ich schon lange nicht mehr gehört hatte: „Ich will singen von der Barmherzigkeit des Herrn für immer; ich will singen, ich will singen.“

Musik ist die Sprache des Herzens. Ich glaube, dass Gott sich über unsere Lobpreislieder freut und dass Er oft auch über uns singt. Also singe ich immer noch! Ich fühle mich jedoch besonders gesegnet, wenn das Singen zu einem Ort der Stille führt oder zu dem, was ich gerne als „schwangere Stille“ bezeichne, einem Ort der tiefen Vertrautheit mit dem Herrn. Ich schätze diesen Raum der Stille, besonders nach dem Empfang der Heiligen Kommunion.

In unserem hektischen Leben ist es oft ein Kampf, Zeit mit dem Herrn zu verbringen. Das Beten des Rosenkranzes hilft mir enorm bei diesem Kampf, da ja auch die Gottesmutter eine Meisterin der Besinnung ist. „Maria aber bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach“. (Lukas 2:19)
Jesus selbst hat uns vorgelebt, wie wichtig es ist, in die Stille zu gehen, da er sich oft an einen ruhigen Ort zurückzog, um mit seinem himmlischen Vater allein zu sein.

Eines Tages im vergangenen Sommer, als ich während eines Familientreffens an einem überfüllten Strand war, fühlte ich mich unausgeschlafen und nervös. Ich sehnte mich nach einer stillen Zeit mit dem Herrn. Meine Tochter bemerkte, dass ich nicht ich selbst war, und erwähnte es beiläufig. Ich beschloss, eine Stunde lang mich allein in den See hinauszuwagen, und entdeckte, dass ich meine stille Umgebung finden würde, wenn ich unter Wasser ging. Ich betete einen Rosenkranz, während ich an diesem Nachmittag schwamm, und fand meinen Frieden wieder.

„Je mehr wir beten, desto mehr wünschen wir uns zu beten. Wie ein Fisch, der zuerst an der Wasseroberfläche schwimmt und dann abtaucht und immer tiefer geht, so sinkt auch die Seele immer tiefer, taucht und verliert sich in der Süße des Dialogs mit Gott“ (heiliger Jean Vianney, Pfarrer von Ars).

Heiliger Geist, hilf uns, Ruhezeiten zu finden, die wir so dringend brauchen, damit wir Deine Stimme besser hören und einfach in Deiner Gegenwart ruhen können.

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Von: Denise Jasek

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Apr 17, 2024
Engagieren Apr 17, 2024

Ich bin immer noch beeindruckt von Pater Sebastians Bericht über ein wundersames Entkommen aus tödlicher Gefahr. Hier ist seine Geschichte.

Es war die kälteste Herbstnacht im Oktober 1987, fast 3 Uhr morgens, und ich hatte noch eine Stunde Zeit, bevor ich meinen Flug nach London antreten musste. Ich beschloss, in die Flughafenlounge zu gehen und eine Tasse heißen Kaffee zu trinken, um meine Müdigkeit abzuschütteln. Ich hatte einige Medikamente gegen mein Fieber genommen, aber die Wirkung ließ bereits nach. Also nahm ich noch eine Tablette, und als ich an Bord ging, bat ich die Stewardess, die sich als Anne vorstellte, um eine freie Sitzreihe in der Mitte, damit ich mich während des langen Fluges etwas ausruhen konnte. Mein Priesterkragen muss sie berührt haben, denn als das Anschnallzeichen erloschen war, kam Anne auf mich zu und führte mich drei Reihen nach hinten, wo vier Plätze frei waren. Ich richtete die Sitze wie eine kleine Couch ein und machte es mir bequem.

Beunruhigende Nachrichten

Mein angenehmer Schlummer wurde durch abrupte Bewegungen des Flugzeugs unterbrochen. Ich riss meine Augen auf; die Kabine war schwach beleuchtet, und die meisten Passagiere schliefen entweder oder starrten auf die Bildschirme vor ihnen. Ich konnte nicht umhin, die hastigen Bewegungen des Kabinenpersonals zu bemerken, das über die schmalen Gänge zwischen den Sitzreihen eilte.

In der Annahme, dass jemand krank war und Hilfe brauchte, fragte ich Anne, die an meinem Platz vorbeilief, was los war. „Das sind nur Turbulenzen, Herr Pater. Alles ist unter Kontrolle“, antwortete sie, bevor sie schnell weiterging. Ihre panischen Augen verrieten jedoch etwas anderes. Da ich nicht schlafen konnte, ging ich in den hinteren Teil des Flugzeugs, um eine Tasse Tee zu bestellen. Ein Besatzungsmitglied wies mich an, zu meinem Sitz zurückzukehren, versprach aber, mir den Tee später zu bringen. Ich spürte, dass etwas nicht stimmte. Während ich geduldig auf meinen Tee wartete, kam ein Steward auf mich zu.

„Pater Sebastian, in einem der Motoren ist ein Feuer ausgebrochen, und wir konnten es noch nicht eindämmen. Wir haben einen vollen Treibstofftank und fliegen schon seit fast zwei Stunden. Wenn das Feuer den Treibstofftank erreicht, kann das Flugzeug jederzeit explodieren“. Dann hielt er inne und sah mir direkt in die Augen. Mein Körper erstarrte vor Schreck.

„Der Kapitän hat eine besondere Bitte: Bitte beten Sie für alle 298 Seelen an Bord und dafür, dass das Feuer gelöscht werden kann. Beide Kapitäne wissen, dass wir einen Priester an Bord haben und haben mich gebeten, Ihnen diese Nachricht zu übermitteln“.

Ich nahm seine Hände in meine und antwortete ihm: „Bitte sagen Sie den Kapitänen, dass sie sich nicht entmutigen lassen sollen, denn Jesus und die Gottesmutter werden uns aus dieser gefährlichen Situation befreien, so wie Jesus seine Jünger aus der stürmischen See gerettet hat. Es gibt keinen Grund zur Sorge, und der Heilige Geist wird von nun an die Kontrolle über die Situation übernehmen. Sie werden von ihm weise geführt werden.“

Ich hörte eine müde Stimme vor mir, die fragte, ob das Flugzeug explodieren würde. Es war Sophie, eine alte Dame, der ich zuvor schon begegnet war. Sie hatte Teile unserer Unterhaltung mitbekommen und bekam plötzlich Panik. Die Crew ermahnte sie, keine Szene zu machen; sie beruhigte sich ein wenig und setzte sich neben mich, um mir in 10.000 Metern Höhe ihre Sünden zu beichten.

Durchhalten

Ich hatte großes Vertrauen in die Gottesmutter, die mir schon in ähnlichen Situationen geholfen hatte. Ich nahm meinen Rosenkranz, schloss meine Augen und begann inbrünstig zu beten.

Etwa zur Halbzeit des Fluges wurde mir mitgeteilt, dass der Kapitän eine Notlandung auf einem nicht belebten Flughafen anstrebte und wir noch sieben Minuten durchhalten sollten. Da die Situation immer noch nicht unter Kontrolle war, informierte der Kapitän schließlich die Passagiere, sich auf eine Notlandung vorzubereiten. John, jener Steward, der zuvor mit mir gesprochen hatte, teilte mir mit, dass das Feuer bereits Gate 6 erreicht hatte und nur noch ein Gate bis zum Tank der Maschine übrig war. Still betete ich weiter für die Sicherheit aller Passagiere. Als sich die Situation nicht besserte, schloss ich meine Augen und betete weiter, wobei mir mein Glaube Kraft und Mut gab. Als ich meine Augen wieder öffnete, war das Flugzeug sicher auf dem Flughafen gelandet und die Passagiere applaudierten.

Endlich Erleichterung!

„Meine lieben Freunde, hier ist Rodrigo, Ihr Kapitän!“ Er hielt einen Moment inne und fuhr dann fort. „Wir waren in den letzten Stunden in einer äußerst gefährlichen Situation, aber jetzt sind wir sicher! Einen besonderen Dank an den allmächtigen Gott und Pater Sebastian. Er hat für uns alle gebetet und uns allen viel Kraft und Mut gegeben, um diese Situation zu meistern, und …“ er machte wieder eine Pause – „wir haben es geschafft!“

John und Anne begleiteten mich, als wir von den Mitarbeitern und den Würdenträgern am Flughafenterminal begrüßt wurden. Man sagte mir, dass bald ein Ersatzflugzeug eintreffen und alle Passagiere in einer Stunde in das neue Flugzeug umsteigen würden.

Nach dieser erschütternden Erfahrung konnte ich nicht umhin, über die Macht des Gebets und die Bedeutung des Vertrauens auf Gott in jeder Situation nachzudenken. Ich erinnerte mich an die Worte aus Markus 4:35-41, wo Jesus einen Sturm auf dem Meer stillt und seine Jünger fragt: „Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr immer noch keinen Glauben?“

Als wir an Bord des neuen Flugzeugs gingen, spürte ich ein neues Gefühl der Dankbarkeit für das wundersame Entkommen aus Todesgefahr und ein stärkeres Vertrauen in Gottes Schutz.

Pater Sebastian hat seine Geschichte mit vielen Menschen geteilt und sie ermutigt, in schwierigen Zeiten auf Gott zu vertrauen. Er erinnert sie daran, dass auch sie mit Glauben und Gebet jeden Sturm überwinden und inmitten des Chaos Frieden finden können.

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Von: Shaju Chittilappilly

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Apr 17, 2024
Engagieren Apr 17, 2024

Frage

Meine protestantischen Freunde meinen, Katholiken glaubten, dass wir uns unsere Erlösung verdienen müssen. Sie hingegen sagen, dass die Erlösung allein durch den Glauben erfolgt und dass wir dem nichts hinzufügen können, was Jesus bereits am Kreuz für uns getan hat. Aber müssen wir nicht gute Werke tun, um in den Himmel zu gelangen?

Antwort

Das ist ein ziemlich großes Missverständnis sowohl für Protestanten als auch für Katholiken. Es mag wie eine theologische Kleinigkeit erscheinen, aber tatsächlich hat es eine enorme Auswirkung auf unser geistliches Leben. Die Wahrheit ist: Wir werden durch lebendigen Glauben gerettet – unseren Glauben an Jesus Christus, der durch unsere Worte und Taten zum Ausdruck kommt.

Es ist ganz klar: Wir müssen uns unsere Erlösung nicht verdienen, so als ob die Erlösung ein Preis wäre, wenn wir ein bestimmtes Maß an guten Taten erreichen. Denn wer war der Erste, der gerettet wurde? Laut Jesus war es der gute Dieb. Während er zu Recht für seine bösen Taten gekreuzigt wurde, flehte er zu Jesus um Gnade, und der Herr versprach ihm: „Amen, ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.“ (Lukas 23:43) Die Erlösung besteht also in diesem radikalen Glauben, diesem Vertrauen und der Hingabe an das, was Jesus am Kreuz getan hat, um Barmherzigkeit zu erlangen.

Warum ist das wichtig? Weil viele Katholiken denken, dass alles, was wir tun müssen, um gerettet zu werden, darin bestehen würde, „ein guter Mensch zu sein“ – auch wenn diese Person eigentlich gar keine lebendige Beziehung zum Herrn hat. Ich kann gar nicht sagen, wie viele Leute mir so etwas sagen wie: „Oh, mein Onkel ist nie zur Messe gegangen oder hat gebetet, aber er war ein netter Mann, der in seinem Leben viele gute Dinge getan hat, also weiß ich, dass er im Himmel ist.“ Natürlich hoffen wir, dass der Onkel durch Gottes Barmherzigkeit gerettet ist, aber es sind nicht unsere Freundlichkeit oder guten Werke, die uns retten, sondern der rettende Tod Jesu am Kreuz.Was würde passieren, wenn ein Verbrecher wegen eines Verbrechens vor Gericht stehen, aber zum Richter sagen würde: „Euer Ehren, ich habe das Verbrechen begangen, aber schauen Sie sich all die anderen guten Dinge an, die ich in meinem Leben getan habe!“ Würde der Richter ihn freilassen? Nein – er müsste trotzdem für das Verbrechen bezahlen, das er begangen hat. Ebenso hatten unsere Sünden ihren Preis – und Jesus Christus musste dafür bezahlen. Diese Zahlung der Sündenschuld wird durch den Glauben auf unsere Seele angewendet.

Aber der Glaube ist nicht nur eine intellektuelle Übung. Er muss auch gelebt werden. Wie der heilige Jakobus schreibt: „Der Glaube ohne Werke ist tot“ (2:26). Es reicht nicht aus, nur zu sagen: „Ich glaube doch an Jesus, also kann ich jetzt so viel sündigen, wie ich will.“ Im Gegenteil, gerade weil uns vergeben wurde und wir Erben des Königreichs sind, müssen wir uns auch wie Königreichserben verhalten, wie Söhne und Töchter des Königs.
Das ist etwas ganz anderes als der Versuch, sich unsere Erlösung zu verdienen. Wir tun gute Werke nicht, weil wir auf Vergebung hoffen; wir tun gute Werke, weil uns bereits vergeben wurde. Unsere guten Taten sind ein Zeichen dafür, dass seine Vergebung in unserem Leben lebendig und aktiv sind. Schließlich sagt uns Jesus: „Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten.“ (Johannes 14:15). Wenn ein Ehemann seine Frau liebt, wird er nach konkreten Möglichkeiten suchen, sie zu segnen – indem er ihr Blumen schenkt, den Abwasch erledigt oder ihr einen Liebesbrief schreibt. Er würde niemals sagen: „Nun, wir sind verheiratet und sie weiß, dass ich sie liebe, also kann ich jetzt tun und lassen, was ich will.“ Ebenso wird eine Seele, die die barmherzige Liebe Jesu kennengelernt hat, Ihm natürlich auch gefallen wollen.

Um Ihre Frage zu beantworten: Katholiken und Protestanten sind sich in dieser Frage tatsächlich viel näher, als ihnen bewusst ist! Wir glauben beide, dass wir durch Glauben gerettet werden – durch einen lebendigen Glauben, der sich in einem Leben voller guter Werke als Zeichen der Dankbarkeit für das großzügige, kostenlose Geschenk der Erlösung ausdrückt, das Christus am Kreuz für uns gewonnen hat.

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Von: Pater Joseph Gill

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Apr 17, 2024
Engagieren Apr 17, 2024

Frage:

Woher weiß ich, ob meine Liebe zum Sport nicht Götzendienst ist?
Ich trainiere vier Stunden am Tag, in der Hoffnung, dass ich ein College-Stipendium bekomme. Ich denke permanent daran und verfolge alle Profiteams ganz genau. Ich liebe Gott, aber er interessiert mich einfach nicht so sehr wie der Sport. Wann überschreitet meine Leidenschaft für den Sport die Grenze zum Götzendienst?

Antwort:

Auch ich habe eine Leidenschaft für Sport. In der High School und auf dem College habe ich Baseball gespielt, und auch als Priester spiele ich weiterhin Ultimate Frisbee, Fußball und American Football. Sport kann „das Feld der Tugend“ sein, wie der heilige Johannes Paul II. einmal sagte. Aber in unserer modernen Welt halten wir den Sport oft sehr hoch – vielleicht zu hoch.

Mein Baseballtrainer auf dem College hatte einen tollen Spruch: „Nichts im Sport ist ewig.“ Das half mir, alles im Blick zu behalten. Ob man die Meisterschaft gewinnt oder das Spiel verliert, macht in der Ewigkeit keinen Unterschied. Es soll Spaß machen und uns die Möglichkeit geben, Teamwork, Disziplin, Mut und Fairness zu üben. Aber ein sportlicher Wettkampf hat keine Konsequenzen für die Ewigkeit.

Wie können wir also den Sport ins rechte Licht rücken? Wir wollen uns dabei drei Dinge anschauen, um zu erkennen, ob Sport (oder irgendetwas anderes) zu einem Götzen geworden ist:

Erstens: Zeit. Wie viel Zeit verbringen wir mit dem Sport im Vergleich zu der Zeit, die wir mit Gott verbringen? Ich habe einmal eine Klasse von Teenagern aufgefordert, täglich zehn Minuten im Gebet zu verbringen, und ein Junge sagte mir, das sei unmöglich, weil er Videospiele spiele. Ich fragte ihn, wie viel er spiele, und er sagte mir, dass er oft acht bis elf Stunden am Tag spiele! Wenn ein Mensch keine Zeit für ein ernsthaftes Gebetsleben hat – mindestens fünfzehn bis zwanzig Minuten pro Tag -, weil er diese Zeit mit Sport verbringt, dann ist das tatsächlich Götzendienst.
Das bedeutet aber nicht, dass die Zeit komplett gleich aufgeteilt sein muss. Wenn du zwei Stunden am Tag trainierst, musst du nicht unbedingt auch zwei Stunden am Tag beten. Aber es muss genug Zeit in deinem Leben sein, um ein solides Gebetsleben zu haben.

Dazu gehört auch, dass wir dafür sorgen, dass unser Sportleben nicht mit dem Sonntagsgottesdienst kollidiert. Mein Bruder, ein hervorragender Ballspieler, musste einmal ein wichtiges Probetraining verpassen, weil es am Morgen des Ostersonntags stattfand. Was immer wir anstelle der Sonntagsmesse tun, wird zu unserem Götzen!

Dazu gehört auch, dass wir Zeit zu einem festen Bestandteil unseres Opfers für den Herrn machen. Hast du die Zeit, dich ehrenamtlich in deiner Kirche oder einer örtlichen Wohltätigkeitsorganisation zu engagieren? Hast du genug Zeit, um deinen täglichen Pflichten nachzukommen (dein Studium nach bestem Wissen und Gewissen zu absolvieren, deine Hausarbeit zu erledigen und ein guter Sohn/Tochter und Freund zu sein)? Wenn der Sport so viel Zeit in Anspruch nimmt, dass keine Zeit für andere bleibt, dann sind wir aus dem Gleichgewicht geraten.

Zweitens: Geld. Wie viel Geld geben wir für Sportspiele, Ausrüstung, Trainer, Fitnessstudio Mitgliedschaften aus – im Vergleich dazu, wie viel Geld wir der Kirche, Wohltätigkeitsorganisationen oder den Armen geben? Wofür wir unser Geld ausgeben, bestimmt, welche Prioritäten wir setzen. Auch das muss nicht unbedingt genau gleich verteilt sein, aber Großzügigkeit ist ein wichtiger Bestandteil der Zugehörigkeit zum Herrn, von dem alle guten Gaben kommen.

Und schließlich: Begeisterung. In Amerika, wo ich lebe, ist American Football unsere nationale Religion. Ich staune immer wieder, erwachsene Männer zu sehen, die bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt bei einem Spiel der Green Bay Packers draußen sitzen, mit ausgezogenen Hemden und bemalter Brust in den Teamfarben. Sie tragen einen Schaumstoffhut in Form eines Käses (eine seltsame Tradition!) und jubeln aus vollem Halse … und viele dieser Männer langweilen sich am Sonntagmorgen in der Kirche und murmeln kaum die Antworten in der Messe (wenn sie überhaupt daran teilnehmen).
Was findest du spannender? Findest du einen Sportwettbewerb, an den man sich in einem Jahr nicht mehr erinnert, spannender oder die Herausforderung und Freude einer heldenhaften Suche nach Heiligkeit: die Chance, das Reich Gottes voranzubringen, den Kampf um die Seelen, der ewige Auswirkungen hat, das Streben nach einem ewigen Sieg, der all deine Sport-Trophäen im Vergleich dazu verblassen lässt?

Wenn du feststellst, dass deine Begeisterung für den Sport noch stärker ist als das, dann überlege, was das Christentum wirklich ist. Es gibt buchstäblich nichts Aufregenderes und Abenteuerlicheres auf der Welt als das Streben, ein Heiliger zu werden. Dazu gehören viele der gleichen Eigenschaften wie bei einem guten Sportler: Selbstverleugnung, Hingabe und zielstrebiges Verfolgen eines Ziels. Aber unser Ziel hat einen ewigen Nachhall!

Überleg Dir diese drei Dinge: wo du deine Zeit verbringst, wie du dein Geld ausgibst und was dich begeistert. Sie können uns wertvolle Hinweise darauf geben, wann etwas für uns zu einem Idol geworden ist.

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Von: Pater Joseph Gill

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Apr 13, 2024
Engagieren Apr 13, 2024

Vor einigen Jahren nahm ich an der Jahrestagung der Academy of Catholic Theology teil, einer Gruppe von etwa fünfzig Theologen, die sich dem Denken im Sinne der Kirche widmen. Unser allgemeines Thema war die Dreifaltigkeit, und ich war eingeladen worden, einen der Vorträge darüber zu halten. Ich beschloss, mich auf das Werk des heiligen Irenäus zu konzentrieren, eines der frühesten und wichtigsten Kirchenväter.

Irenäus wurde um 125 in der Stadt Smyrna in Kleinasien geboren. Als junger Mann wurde er Schüler von Polykarp, der wiederum ein Schüler des Evangelisten Johannes gewesen war. Später reiste Irenäus nach Rom und schließlich nach Lyon, wo er nach dem Märtyrertod seines Vorgängers Bischof wurde. Irenäus starb um das Jahr 200, höchstwahrscheinlich als Märtyrer, obwohl die genauen Einzelheiten seines Todes in der Geschichte verlorengegangen sind.

Sein theologisches Meisterwerk trägt den Titel „Adversus Haereses“ („Gegen die Häresien“), und es ist viel mehr als nur eine Widerlegung der wichtigsten Einwände gegen den christlichen Glauben seiner Zeit. Es ist eine der eindrucksvollsten Darstellungen der christlichen Lehre in der Geschichte der Kirche, die ohne weiteres dem „De Trinitate“ des heiligen Augustinus und der „Summa theologiae“ des heiligen Thomas von Aquin gleichkommt. In meinem Text in Washington habe ich argumentiert, dass der Leitgedanke in der Theologie des Irenäus darin besteht, dass Gott nichts außerhalb seiner selbst braucht. Mir ist klar, dass dies auf den ersten Blick ziemlich entmutigend erscheint, aber wenn wir Irenäus‘ Beispiel folgen, sehen wir, dass sich dadurch geistlich gesehen eine ganz neue Welt eröffnet. Irenäus wusste alles über die heidnischen Götter und Göttinnen, die dringend des Lobes und der Opfer der Menschen bedurften, und er erkannte, dass eine der Hauptfolgen dieser Theologie darin bestand, dass die Menschen in Angst lebten. Da die Götter uns brauchten, pflegten sie uns zu manipulieren, um ihre Wünsche zu befriedigen, und wenn sie nicht ausreichend geehrt wurden, konnten (und würden) sie um sich schlagen. Aber der Gott der Bibel, der in sich selbst vollkommen ist, braucht überhaupt nichts. Selbst in seinem großen Akt der Erschaffung des Universums benötigt er keine bereits zuvor existente Materie, um es zu erschaffen; vielmehr (und Irenäus war der erste bedeutende christliche Theologe, der dies erkannte) schuf er das Universum „ex nihilo“ (= „aus dem Nichts“).

Und weil er die Welt nicht braucht, erschafft er sie in einem unendlich großzügigen Akt der Liebe. Liebe ist, wie ich nicht müde werde zu wiederholen, nicht in erster Linie ein Gefühl oder eine Empfindung, sondern ein Akt des Willens. Die Liebe besteht darin, das Wohl des Anderen als Anderen zu wollen. Ein Gott, der überhaupt kein Eigeninteresse hat, kann nur lieben.

Von dieser Intuition geht die gesamte Theologie des Irenäus aus. Gott erschafft den Kosmos in einer Explosion der Großzügigkeit und lässt unzählige Pflanzen, Tiere, Planeten, Sterne, Engel und Menschen entstehen, die alle einen Aspekt seiner eigenen Herrlichkeit widerspiegeln sollen. Irenäus liebt es, die Veränderungen mit der Metapher von Gott als Künstler zu umschreiben. Jedes Element der Schöpfung ist wie eine Farbe, die auf die Leinwand aufgetragen wird, oder ein Stein im Mosaik oder ein Ton in einer harmonischen Melodie. Wenn wir den Gleichklang der vielen Elemente von Gottes Universum nicht zu schätzen wissen, liegt das nur daran, dass unser Verstand zu klein ist, um den Entwurf des Meisters zu erfassen. Sein ganzer Zweck bei der Schaffung dieser symphonischen Ordnung ist es, anderen Realitäten die Teilnahme an seiner Vollkommenheit zu ermöglichen. An der Spitze von Gottes physischer Schöpfung steht der Mensch, den er ins Dasein liebte wie alle Dinge, der aber eingeladen ist, noch mehr an Gottes Vollkommenheit teilzuhaben, indem er seinen Schöpfer liebt.

Das meistzitierte Zitat von Irenäus stammt aus dem vierten Buch der „Adversus Haereses“ und lautet wie folgt: „Die Herrlichkeit Gottes ist der Mensch in seiner ganzen Lebendigkeit.“ Verstehen wir, wie dies genau mit der Behauptung zusammenhängt, dass Gott nichts braucht? Der Ruhm der heidnischen Götter und Göttinnen war nicht ein lebendiger Mensch, sondern ein Mensch, der sich unterordnet, ein Mensch, der tut, was ihm befohlen wird. Aber der wahre Gott spielt nicht solch manipulative Spiele. Er findet seine Freude darin, unser Wohl in vollem Umfang zu wollen.

Eine der schönsten und faszinierendsten Ideen des heiligen Irenäus ist die, dass Gott als eine Art wohlwollender Lehrer fungiert, der die Menschheit allmählich in die Wege der Liebe einweist. Er stellte sich Adam und Eva nicht so sehr als Erwachsene vor, die mit jeder geistigen und intellektuellen Vollkommenheit ausgestattet sind, sondern eher als Kinder oder Teenager, die in ihrem Ausdruck der Freiheit unvermeidlich unbeholfen sind. Die lange Heilsgeschichte ist daher der geduldige Versuch Gottes, seine menschlichen Geschöpfe zu seinen Freunden zu erziehen. Alle Bündnisse, Gesetze, Gebote und Rituale sowohl des alten Israel als auch der Kirche sollten in diesem Licht gesehen werden: nicht als willkürliche Befehle, sondern als Struktur, die Gott, der Vater, seinen Kindern gibt, um sie zur vollen Entfaltung zu bringen.

Es gibt viel, was wir von diesem alten Meister des christlichen Glaubens lernen können, insbesondere was die gute Nachricht von dem Gott betrifft, der uns nicht braucht!

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Von: Bischof Robert Barron

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Apr 13, 2024
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Ich ging mein altes Gebetstagebuch durch, in das ich Gebetsanliegen geschrieben hatte. Zu meinem Erstaunen wurde jedes einzelne von ihnen erhört!

Wer in diesen Tagen einen flüchtigen Blick in die Nachrichten wirft, wird leicht verzweifelt, sich fragen, wo Gott ist, und Hoffnung brauchen. Ich weiß, dass ich mich an manchen Tagen so gefühlt habe. Wir fühlen uns machtlos und fragen uns, was wir gegen all die schrecklichen Dinge, die wir sehen, tun können. Daher möchte ich eine Geschichte erzählen.

Vor einigen Jahren begann ich, ein Tagebuch mit den Gebetsanliegen der Menschen und Dinge zu führen, für die ich betete. Ich betete oft einen Rosenkranz für diese Dinge, wie ich es auch heute noch für Gebetsanliegen tue. Eines Tages stieß ich auf ein altes Tagebuch mit meinen schriftlichen Gebetsanliegen. Ich blätterte die Seiten durch, die ich vor langer Zeit geschrieben hatte, und war verblüfft. Jedes Gebet war erhört worden – vielleicht nicht immer so, wie ich es mir vorgestellt hatte, aber sie wurden erhört. Dabei waren es keine kleinen Gebete. „Lieber Gott, bitte hilf meiner Tante, mit dem Alkoholtrinken aufzuhören. Lieber Gott, bitte hilf meiner unfruchtbaren Freundin, Kinder zu bekommen. Lieber Gott, bitte heile meinen Freund von Krebs.“

Als ich auf der Seite nach unten blätterte, stellte ich fest, dass jedes einzelne Gebet erhört worden war. Viele auf eine Art und Weise, die größer und besser war, als ich es mir vorgestellt hatte. Es gab ein paar, von denen ich auf den ersten Blick meinte, dass sie nicht erhört worden waren. Eine Freundin etwa, die Heilung von Krebs brauchte, war verstorben, aber dann erinnerte ich mich daran, dass sie vor ihrem Tod die Beichte abgelegt und die Krankensalbung empfangen hatte. Sie starb friedlich in der Barmherzigkeit Gottes, umgeben von seiner heilenden Gnade. Aber abgesehen davon wurden die meisten Gebete hier in dieser Welt erhört. Viele Gebetsanliegen erschienen wie unüberwindbare Berge, aber dann hatten sie sich doch bewegt. Gottes Gnade nimmt unsere Gebete und unsere Beharrlichkeit im Gebet an, und er bewegt alles zum Guten. In der Stille meines Gebets hörte ich ein Flüstern: „Ich habe all diese Dinge die ganze Zeit hindurch gewirkt. Ich habe diese Geschichten geschrieben. Vertrau mir.“

Ich glaube, wir leben wirklich in gefährlichen Zeiten. Aber ich glaube auch, dass wir für diese Zeiten geschaffen sind. Vielleicht sagen Sie zu mir „Deine persönlichen Gebetsanliegen mögen ja erhört worden sein, aber es gibt Nationen, die sich im Krieg befinden.“ Doch meine Antwort ist auch hierauf, dass bei Gott nichts unmöglich ist, nicht einmal das Beenden eines Krieges auf unsere Gebete hin. Ich erinnere mich, dass so etwas in der Vergangenheit tatsächlich geschehen ist. Also sollten wir auch glauben, dass Gott auch jetzt so Großes tun kann.

Für diejenigen, die nicht alt genug sind, um sich daran zu erinnern: Es gab eine beängstigende Zeit, in der es so aussah, als würde ein Blutbad kommen. Aber durch die Kraft des Rosenkranzes änderten sich die Dinge. Ich war in der 8. Klasse, und ich erinnere mich, wie ich von all den Unruhen auf den Philippinen hörte. Ferdinand Marcos war damals der Diktator des Landes. Es zeichnete sich ein blutiger Kampf ab, bei dem bereits einige Menschen ums Leben kamen. Ein entschiedener Kritiker von Marcos, Benigno Aquino, wurde ermordet. Und dennoch kam es nicht zu einer blutigen Auseinandersetzung. Kardinal Jaime Sin von Manila hatte die Menschen zum Gebet aufgerufen. Sie gingen vor dem Militär auf die Straße und beteten laut den Rosenkranz. Sie standen auch vor den Panzern und beteten. Und dann geschah etwas Wunderbares: Die Soldaten legten ihre Waffen nieder. Sogar die säkularen Medien wie die Chicago Tribune berichteten, wie „Gewehre den Rosenkränzen wichen“. Die Revolution war vorbei, und die Herrlichkeit Gottes wurde sichtbar.

Hör also nicht auf, an Wunder zu glauben, sondern erwarte sie! Und bete den Rosenkranz, wann immer du die Gelegenheit dazu hast. Der Herr weiß, unsere Welt hat es nötig.

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Von: Susan Skinner

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Mrz 28, 2024
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Ich war gefangen in einer Abwärtsspirale aus Drogen und Sexarbeit und verlor mich selbst, bis dies geschah.

Es war Nacht. Ich war im Bordell, fertig angezogen für die „Arbeit“. Da klopfte es leise an der Tür, nicht wie die Polizei, sondern ganz sanft. Die Bordellbesitzerin – die „Madame“ – öffnete die Tür, und meine Mutter kam herein.

Ich schämte mich. Ich war angezogen für diese „Arbeit“, die ich schon seit Monaten machte, und nun war meine Mutter im Zimmer!

Sie saß einfach da und sagte zu mir: „Liebes, bitte komm nach Hause.“

Sie zeigte mir ihre Liebe. Sie verurteilte mich nicht. Sie bat mich nur, zurückzukommen.

In diesem Moment war ich von Gnade überwältigt. Ich hätte damals nach Hause gehen sollen, aber die Drogen ließen mich nicht. Ich schämte mich aufrichtig.

Sie schrieb ihre Telefonnummer auf einen Zettel, schob ihn herüber und sagte zu mir: „Ich liebe dich. Du kannst mich jederzeit anrufen, und ich werde kommen.“

Am nächsten Morgen erzählte ich einer Freundin, dass ich vom Heroin loskommen wollte. Ich war verängstigt. Mit nur vierundzwanzig Jahren war ich des Lebens müde; ich hatte das Gefühl, genug gelebt zu haben und einfach fertig zu sein mit dem Leben. Meine Freundin kannte einen Arzt, der Drogensüchtige behandelte, und ich bekam in drei Tagen einen Termin. Ich rief meine Mutter an, sagte ihr, dass ich zum Arzt gehen würde und vom Heroin loskommen wolle.

Sie weinte am Telefon. Sie sprang ins Auto und kam direkt zu mir. Darauf hatte sie gewartet …

Wie alles begann

Unsere Familie war nach Brisbane umgezogen, als mein Vater einen Job auf der Expo 88 bekam. Ich war damals zwölf Jahre alt. Ich ging auf eine private Eliteschule für Mädchen, aber passte einfach nicht dahin. Ich träumte davon, nach Hollywood zu gehen und Filme zu machen, also musste ich eine Schule besuchen, die auf Film und Fernsehen spezialisiert ist.

Ich fand eine renommierte Schule für Film und Fernsehen, und meine Eltern gaben meinem Wunsch, die Schule zu wechseln, problemlos nach. Was ich ihnen aber nicht erzählte, war, dass die Schule auch in den Zeitungen stand, weil sie für Gangs und Drogen berüchtigt war. Die Schule brachte mir viele kreative Freunde, und ich war sehr gut in der Schule. Ich hatte in vielen Fächern die besten Noten und gewann Preise für Film, Fernsehen und Schauspiel. Ich hatte die Noten, um an die Universität zu gehen.

Zwei Wochen vor dem Ende der zwölften Klasse bot mir jemand Marihuana an. Ich sagte ja. Am Ende der Schule gingen wir alle weg, und wieder probierte ich andere Drogen aus …

Einst ein Kind, das sich so sehr auf den Schulabschluss konzentriert hatte, geriet ich nun in eine Abwärtsspirale. Ich schaffte es zwar noch auf die Universität, aber im zweiten Jahr ging ich eine Beziehung mit einem heroinabhängigen Mann ein. Ich erinnere mich, dass alle meine Freunde damals zu mir sagten: „Du wirst noch als Junkie enden, als Heroinabhängige.“ Ich hingegen dachte, dass ich seine Retterin sein würde.

Aber der ganze Sex, die Drugs und der Rock‘n‘Roll führten dazu, dass ich schwanger wurde. Wir gingen zum Arzt, mein Partner immer noch high vom Heroin. Die Ärztin sah uns an und riet mir sofort zu einem Schwangerschaftsabbruch. Sie hatte wohl das Gefühl, dass dieses Kind mit uns keine Chance hätte. Drei Tage später hatte ich eine Abtreibung.

Ich fühlte mich schuldig, schämte mich und war allein. Ich sah zu, wie mein Partner Heroin nahm, sich betäubte und gar nicht betroffen war. Ich bat ihn um etwas Heroin, aber er sagte nur: „Ich liebe dich, ich gebe dir kein Heroin.“ Eines Tages brauchte er Geld, und es gelang mir, ihm etwas Heroin abzuhandeln. Es war nur eine winzige Menge, und mir wurde schlecht, aber ich fühlte auch nichts. Ich nahm es weiter, die Dosis wurde jedes Mal höher und höher.

Schließlich brach ich mein Studium ab und wurde eine regelmäßige Konsumentin.

Ich hatte keine Ahnung, wie ich das Heroin im Wert von fast hundert Dollar bezahlen sollte, das ich täglich konsumierte. Wir fingen an, Marihuana im Haus anzubauen, verkauften es und kauften mit dem Geld noch mehr Drogen. Wir verkauften alles, was wir besaßen, wurden aus meiner Wohnung geworfen, und dann begann ich langsam, meine Familie und Freunde zu bestehlen. Ich schämte mich nicht einmal. Bald fing ich an, auch auf der Arbeit zu stehlen. Ich dachte, sie wüssten es nicht, aber schließlich wurde ich auch dort rausgeschmissen.

Schließlich war das einzige, was ich noch hatte, mein Körper. In der ersten Nacht, in der ich Sex mit Fremden hatte, wollte ich mich sauber schrubben. Aber das konnte ich nicht! Man kann sich nicht von innen nach außen schrubben … Aber das hielt mich nicht davon ab, weiterzumachen. Von dreihundert Dollar pro Nacht, die ich für Heroin für meinen Partner und mich ausgab, kam ich auf tausend Dollar pro Nacht, jeder Cent, den ich verdiente, floss in den Kauf weiterer Drogen.

Mitten in der Abwärtsspirale tauchte nun meine Mutter auf und rettete mich mit ihrer Liebe und Barmherzigkeit. Aber das war nicht genug.

Ein Loch in meiner Seele

Der Arzt fragte mich nach meiner Drogenvergangenheit. Während ich die lange Geschichte erzählte, weinte meine Mutter immer wieder – sie war schockiert, meine ganze Geschichte zu hören. Der Arzt sagte mir, dass ich einen Entzug brauchte. Ich fragte: „Ist ein Entzug nicht etwas für Drogenabhängige?“ Er war überrascht: „Glauben sie etwa nicht, dass sie eine sind?“

Dann sah er mir in die Augen und sagte: „Ich glaube nicht, dass Drogen Ihr Problem sind. Ihr Problem ist, dass sie ein Loch in ihrer Seele haben, das nur Jesus füllen kann.“

Ich wählte absichtlich eine Entzugsklinik, bei der ich sicher war, dass sie nicht-christlich war. Ich war krank und begann langsam zu entgiften, als sie uns eines Tages nach dem Abendessen zu einem Gebetstreffen einberiefen. Ich war wütend, also setzte ich mich in die Ecke und versuchte, sie zu ignorieren mit ihrer Musik, ihrem Gesang und ihrem Jesus. Am Sonntag nahmen sie uns dann mit in die Kirche. Ich blieb draußen und rauchte. Und ich war wütend, verletzt und einsam.

Neubeginn

Am sechsten Sonntag, dem 15. August, regnete es in Strömen – eine Verschwörung des Himmels, wie es sich im Nachhinein herausstellte. Daher blieb mir nichts anderes übrig, als schließlich doch in das Gebäude zu gehen. Ich blieb im hinteren Teil und dachte, dass Gott mich dort nicht sehen könnte. Ich hatte begonnen, mir bewusst zu machen, dass einige meiner Lebensentscheidungen als Sünden betrachtet werden würden, also saß ich dort hinten. Am Ende jedoch sagte der Priester: „Ist hier jemand, der heute sein Herz an Jesus übergeben möchte?“

Ich erinnere mich noch, wie ich dann ganz vorne stand und den Priester sagen hörte: „Willst du Jesus dein Herz schenken? Er kann dir Vergebung für deine Vergangenheit, ein ganz neues Leben heute und Hoffnung für deine Zukunft geben.“

Damals war ich bereits clean und seit fast sechs Wochen nicht mehr auf Heroin. Aber mir war nicht klar, dass es einen großen Unterschied gab zwischen clean sein und frei sein. Ich wiederholte mit dem Priester das Erlösungsgebet, ein Gebet, das ich nicht einmal verstand, aber dort übergab ich mein Herz an Jesus.

An diesem Tag begann für mich eine Reise der Veränderung. Ich konnte neu beginnen, die Fülle der Liebe, Gnade und Güte eines Gottes empfangen, der mich schon mein ganzes Leben kannte und mich vor mir selbst gerettet hatte.

Der weitere Weg blieb nicht ohne Fehler. Ich ging in der Entzugsklinik eine Beziehung ein und wurde wieder schwanger. Aber anstatt es als Strafe für eine schlechte Entscheidung anzusehen, die ich getroffen hatte, beschlossen wir, sesshaft zu werden. Mein Partner sagte zu mir: „Lass uns heiraten und unser Bestes tun, um es jetzt auf seine Weise zu tun.“ Ein Jahr später wurde Grace (engl.: Gnade) geboren, und durch sie erfuhr ich auch so viel Gnade!

Ich war schon immer eine leidenschaftliche Geschichtenerzählerin; Gott gab mir eine Geschichte, die dazu beigetragen hat, Leben zu verändern. Seitdem hat er mich auf so viele Arten benutzt, um meine Geschichte weiterzugeben – in Wort und Schrift und indem ich alles gebe, um für und mit Frauen zu arbeiten, die in einem ähnlichen Leben feststecken, das auch ich einmal geführt habe.

Heute bin ich eine durch Gnade veränderte Frau. Mir ist die Liebe des Himmels begegnet, und jetzt möchte ich mein Leben so leben, dass ich mit dem Himmel zusammenarbeiten kann.

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Von: Bronwen Healy

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Mrz 14, 2024
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Urteilen Sie schnell über andere? Scheuen Sie sich, jemandem in Not zu helfen? Dann ist es höchste Zeit, darüber nachzudenken!

Eigentlich war es ein ganz normaler Tag für mich. Ich kehrte vom Markt zurück, müde von der Arbeit des Tages, und holte Rufus von der Synagogenschule ab.

Doch an diesem Tag fühlte sich etwas anders an. Der Wind flüsterte mir ins Ohr, und selbst der Himmel war ausdrucksstärker als sonst. Der Lärm einer Menschenmenge auf der Straße bestätigte mir, dass sich heute etwas ändern würde.

Dann sah ich ihn: einen Mann mit einem so sehr entstellten Körper, dass ich Rufus von diesem schrecklichen Anblick wegdrehte. Ganz entsetzt klammerte sich der arme Junge mit aller Kraft an meinen Arm.

Die Art und Weise, wie dieser Mann oder das, was von ihm noch übrig war, behandelt wurde, musste bedeuten, dass er etwas Schreckliches getan haben musste.

Ich konnte es nicht ertragen, dabei zuzusehen, aber als ich gehen wollte, wurde ich von einem römischen Soldaten ergriffen. Zu meinem Entsetzen befahlen sie mir, diesem Mann zu helfen, seine schwere Last zu tragen. Mir war klar, dass das Ärger bedeuten würde. Obwohl ich mich wehrte, forderten sie mich auf, ihm zu helfen.

Was für ein Mist! Ich wollte nicht mit einem Sünder verkehren. Was für eine Demütigung! Und dann auch noch ein Kreuz tragen zu müssen, während alle zusahen?

Ich wusste jedoch, dass ich nicht darum herum kam, also bat ich meine Nachbarin Vanessa, Rufus nach Hause zu bringen, da das alles hier wohl eine Weile dauern würde.

Also ging ich zu ihm hinüber. Er war schmutzig, blutig und entstellt. Ich fragte mich, was er wohl getan hatte, um so etwas zu verdienen. Doch was immer es auch war, diese Strafe war viel zu grausam.

Die Umstehenden schrien „Gotteslästerer“, „Lügner“ und „König der Juden“, während andere ihn bespuckten und beschimpften.

Nie zuvor war ich so gedemütigt und seelisch gequält worden. Nachdem ich nur etwa zehn bis fünfzehn Schritte mit ihm gegangen war, fiel er mit dem Gesicht voran zu Boden. Um da wieder herauszukommen, musste er aufstehen, also beugte ich mich vor, um ihm hoch zu helfen.

Dann sah ich in seinen Augen etwas, das mich veränderte. Ich sah Mitgefühl und Liebe! Wie konnte das nur sein?

Da war keine Angst, kein Ärger, kein Hass – nur Liebe und Mitgefühl. Ich war verblüfft, als er mich mit diesen Augen ansah und meine Hand nahm, um wieder aufstehen zu können. Ich konnte die Menschen um mich herum nicht mehr hören oder sehen. Als ich das Kreuz auf meiner einen Schulter und ihn auf meiner anderen hielt, konnte ich nur noch ihn ansehen. Ich sah das Blut, die Wunden, die Spucke, den Schmutz, doch all das konnte die Göttlichkeit seines Gesichts nicht länger verbergen. Jetzt hörte ich nur noch das Schlagen seines Herzens und seinen schweren Atmen. Er mühte sich ab, aber war doch ganz stark.

Inmitten all des Lärms der schreienden, schimpfenden und umherwuselnden Menschen hatte ich das Gefühl, dass er zu mir sprach. Alles andere, was ich bis dahin getan hatte, ob gut oder schlecht, schien jetzt sinnlos.

Als die römischen Soldaten ihn von mir wegzogen, um ihn zum Ort der Kreuzigung zu schleppen, stießen sie mich zur Seite, und ich fiel zu Boden. Er musste aus eigener Kraft weitergehen. Ich lag dort auf dem Boden, während die Menschen auf mir herumtrampelten. Ich wusste nicht, was ich als nächstes tun sollte. Ich wusste nur, dass mein Leben von nun an nie wieder so sein würde wie zuvor.

Ich konnte die Menschenmenge nicht mehr hören, sondern nur noch die Stille und das Klopfen meines Herzens. Ich wurde an den Klang seines zarten Herzens erinnert.

Einige Stunden später, als ich gerade aufstehen wollte, um zu gehen, begann der ausdrucksstarke Himmel von vorhin zu sprechen. Der Boden unter mir bebte! Ich blickte auf den Gipfel des Kalvarienbergs – und dort sah ich ihn, mit ausgestreckten Armen und gesenktem Kopf, für mich.

Heute weiß ich, dass das Blut, das an diesem Tag auf mein Gewand gespritzt ist, von dem Lamm Gottes stammt, das die Sünden der Welt wegnimmt. Er hat mich durch sein Blut gereinigt.

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So stelle ich mir die Erinnerung von Simon von Cyrene an den Tag vor, an dem er gebeten wurde, Jesus zu helfen, das Kreuz nach Golgatha zu tragen. Wahrscheinlich hatte er bis zu diesem Tag nur sehr wenig von Jesus gehört, aber ich bin mir sicher, dass er nicht mehr derselbe Mensch war, nachdem er dem Erlöser geholfen hatte, das Kreuz zu tragen.

In dieser Fastenzeit fordert Simon uns auf, in uns selbst zu schauen:

Haben wir zu schnell über Menschen geurteilt?

Manchmal sind wir nur allzu schnell bereit, dem zu glauben, was uns unser Instinkt über jemanden sagt. Genau wie Simon können wir uns durch unsere Urteile daran hindern lassen, anderen zu helfen. Simon sah, wie Jesus gegeißelt wurde, und meinte deshalb, dass er etwas falsch gemacht haben musste. Es mag Zeiten gegeben haben, in denen unsere Vermutungen über eine Person uns daran gehindert haben, sie so zu lieben, wie Christus uns dazu aufgerufen hat.

Zögern wir, manchen Menschen zu helfen?

Sollten wir nicht Jesus in anderen sehen und ihnen helfen?

Jesus fordert uns auf, nicht nur unsere Freunde zu lieben, sondern auch Fremde und Feinde. Mutter Teresa, die das perfekte Beispiel für die Liebe zu Fremden ist, hat uns gezeigt, wie wir in jedem Menschen das Antlitz Jesu sehen können. Wer könnte uns ein besseres Beispiel für die Feindesliebe geben als Jesus Christus selbst? Er liebte die, die ihn hassten, und betete für die, die ihn verfolgten. Wie Simon zögern wir manchmal vielleicht, auf Fremde oder Feinde zuzugehen, aber Christus ruft uns auf, unsere Brüder und Schwestern so zu lieben, wie er es getan hat. Er starb für ihre Sünden genauso wie für deine.

Herr Jesus, wir danken Dir, dass Du uns das Beispiel von Simon von Cyrene gegeben hast, der ein großer Zeuge wurde, indem er Deinem Weg folgte. Himmlischer Vater, schenke auch uns die Gnade, Deine Zeugen zu werden, indem wir auf die Bedürftigen zugehen.

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Von: Mishael Devassy

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Mrz 05, 2024
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Ich erinnere mich an eine Zeit in meinem Dienst, als ich spürte, dass sich ein Kollege ohne ersichtlichen Grund von mir distanzierte. Es schien, als hätte er Probleme, aber er wollte nicht mit mir darüber sprechen. Eines Tages in der Fastenzeit stand ich, von diesem Gedanken belastet, in meinem Büro und schrie in meinem Herzen zu Gott: „Jesus, ich fühle mich so ausgeschlossen vom Leben dieses Menschen.“

Unmittelbar darauf hörte ich Jesus mit diesen traurigen Worten antworten: „Ich weiß, wie du dich fühlst. So geht es mir jeden Tag.“

Wow! Ich spürte, wie mir ein Stich durchs Herz ging, und Tränen schossen in meine Augen. Ich wusste aber auch, dass diese Worte ein Schatz waren.

Monatelang war ich damit beschäftigt, diese Gnade zu verarbeiten. Seit meiner Taufe im Heiligen Geist (ein besonders starkes Erfülltwerden mit dem Heiligen Geist wie z. B. in Apostelgeschichte 8:15-17; die Red.) vor zwanzig Jahren hatte ich gedacht, dass ich eine tiefe persönliche Beziehung zu Jesus habe. Aber dieses Wort von meinem kostbaren Retter und Herrn eröffnete mir einen ganz neuen Einblick in das Herz Jesu. „Ja, Jesus, so viele Menschen vergessen Dich, nicht wahr? Und auch ich! Wie oft gehe ich einfach meinen Aufgaben nach und vergesse dabei, meine Probleme und Gedanken zu Dir zu bringen? Die ganze Zeit wartest Du darauf, dass ich mich Dir zuwende – Dir, der Du mich mit solcher Liebe ansiehst.“

In meinem Gebet bewegte ich diese Worte immer wieder. „Ich weiß jetzt besser, wie Du Dich fühlst, wenn jemand Dich zurückweist, Dich anklagt oder beschuldigt – oder tagelang und sogar jahrelang nicht mit Dir spricht“. Ich brachte nun bewusster meine eigenen Sorgen zu Jesus sagte ihm: „Jesus, mein Geliebter, Du fühlst die gleiche Traurigkeit, die ich fühle. Ich biete Dir meinen kleinen Schmerz an, um Dich zu trösten für so viele Menschen, mich eingeschlossen, die es versäumen, Dich zu trösten.“

Mit neuen Augen sah ich nun mein Lieblingsbild an: Jesus mit den Strahlen, die aus seinem Heiligsten Herzen strömen, wobei er der heiligen Margareta Maria Alacoque klagt: „Sieh Mein Herz an, das die Menschen so sehr liebt, aber so wenig Liebe zurückerhält.“

Wahrlich, Jesus schenkt mir täglich kleine Prüfungen, damit ich einen winzigen Vorgeschmack auf das bekomme, was er für uns erträgt. Ich werde mich immer an diesen Moment der Qual erinnern, der mir die erstaunliche, zärtliche und langmütige Liebe unseres lieben Herrn Jesus näherbrachte.

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Von: Sr. Jane M. Abeln SMIC

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