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Nov 12, 2022 25 0 Christian Simon, Deutschland
Begegnung

Was die Physik mir nicht geben konnte

Die Frage nach dem Warum

Der Physiker Christian Simon, 33 Jahre alt, war lange Atheist und erwartete die Antworten auf alle drängenden Fragen des Lebens von der Wissenschaft. Bis er an deren Grenzen stieß.

Ich bin katholisch aufgewachsen, habe alle Sakramente empfangen, wie es üblich ist, und war als Kind auch recht fromm. Leider entwickelte ich mit der Zeit ein furchtbar falsches Gottesbild: Gott als strenger Richter, der Sünder in die Hölle wirft, ansonsten sehr weit weg ist und sich für mich nicht wirklich interessiert. Ich zweifelte sehr daran, dass Gott es gut mit mir meint. In meiner Jugend war ich sogar mehr und mehr überzeugt, dass Gott etwas gegen mich hat. Ich bildete mir ein, dass er immer genau das Gegenteil von dem tat, worum ich ihn gebeten hatte. Irgendwann war für mich Schluss. Ich wollte von Gott nichts mehr wissen.

Religion – eine Sache für Spinner

Mit etwa 18 Jahren war ich überzeugt, dass es überhaupt keinen Gott gibt. Für mich zählte nur, was ich mit den Sinnen erfahren oder was von den Naturwissenschaften gemessen werden konnte. Religion schien mir nur etwas für Spinner zu sein, die entweder zu viel Fantasie hatten oder einfach total indoktriniert waren und ihren Glauben nie hinterfragt hatten. Ich war überzeugt: Wären alle so schlau wie ich, dann würde niemand mehr an Gott glauben.

So begann ich nach einigen Jahren in der beruflichen Selbstständigkeit im Alter von 26 Jahren mein Physikstudium. Mich interessierte brennend, wie die Welt funktioniert, und hoffte, in der Physik meine Antworten zu finden. Wer kann es mir verübeln? Die Physik kann schon sehr mysteriös wirken mit ihrer unfassbar anspruchsvollen Mathematik, die überhaupt nur ganz wenige Menschen auf der Welt verstehen. Man kann leicht auf den Gedanken kommen, dass wenn man nur diese verschlüsselten Formen und Symbole knacken könnte, sich ungeahnte Horizonte der Erkenntnis eröffnen würden – und dass dann buchstäblich alles möglich wäre.

Nachdem ich alle möglichen Teilgebiete der Physik studiert und mich sogar mit der aktuellsten Grundlagenphysik auseinandergesetzt hatte, saß ich an meiner Masterarbeit zu einem abstrakten theoretischen Thema, von dem mir völlig unklar war, ob es jemals einen Bezug zur realen Welt haben würde. Mir wurden die Grenzen der Physik schließlich sehr bewusst: Das höchste Ziel, das die Physik jemals erreichen könnte, ist eine vollständige mathematische Beschreibung der Natur. Und das ist schon sehr optimistisch gedacht. Bestenfalls kann Physik beschreiben, wie etwas funktioniert, niemals aber, warum es genau so funktioniert und nicht anders. Diese Frage nach dem Warum quälte mich aber gerade.

Die Wahrscheinlichkeit Gottes

Aus Gründen, die ich nicht befriedigend erklären kann, packte mich im Herbst 2019 die Frage, ob es nicht doch einen Gott gibt. Diese Frage hatte ich mir immer mal wieder gestellt, aber diesmal ließ sie mich nicht mehr los. Sie verlangte nach einer Antwort, und ich würde nicht aufhören, bevor ich die Antwort gefunden hätte. Es gab kein Schlüsselerlebnis, keinen Schicksalsschlag, der dazu geführt hätte. Selbst Corona war zu dieser Zeit noch kein Thema. Für ein halbes Jahr verschlang ich tagtäglich alles, was ich zum Thema „Gott“ finden konnte. In dieser Zeit tat ich fast nichts anderes, so sehr fesselte mich die Frage. Ich wollte wissen, ob es Gott gibt und was die verschiedenen Religionen und Weltanschauungen dazu zu sagen hatten. Dabei war meine Vorgehensweise sehr wissenschaftlich geprägt. Ich dachte, wenn ich alle Argumente und Anhaltspunkte gesammelt hätte, würde ich schließlich eine Wahrscheinlichkeit ermitteln können, ob es Gott gibt. Wäre sie größer als 50 Prozent, dann würde ich an Gott glauben, andernfalls nicht. Ganz einfach, oder? Nicht wirklich!

In dieser intensiven Zeit der Recherche lernte ich unfassbar viel. Erstens wurde mir bewusst, dass ich allein mit dem Verstand nicht zum Ziel kommen würde. Zweitens hatte ich die Konsequenzen einer Realität ohne Gott bis zum Ende durchdacht. Ich kam unweigerlich zu dem Ergebnis, dass in einer Welt ohne Gott letztendlich alles sinnlos wäre. Sicherlich kann man versuchen, selbst seinem Leben einen Sinn zu geben, aber was wäre das anderes als eine Illusion, eine Einbildung, eine Lüge? Aus rein wissenschaftlicher Sicht wissen wir, dass irgendwann im Universum alle Lichter ausgehen. Wenn darüber hinaus nichts besteht, welchen Unterschied machen dann meine kleinen und großen Entscheidungen, ja überhaupt irgendetwas?

Angesichts dieser traurigen Aussicht einer Welt ohne Gott entschied ich im Frühjahr 2020, Ihm eine zweite Chance zu geben. Was könnte es schaden, für eine gewisse Zeit einfach mal so zu tun, als würde ich an Gott glauben, und alles auszuprobieren, was Leute so tun, die an Gott glauben? Ich versuchte also zu beten, besuchte Gottesdienste und wollte einfach schauen, was das mit mir machen würde. Natürlich machte mich meine grundsätzliche Offenheit für die Existenz Gottes noch nicht zum Christen, schließlich gab es noch andere Religionen. Doch meine Recherche hatte mich schnell überzeugt, dass die Auferstehung Jesu eine historische Tatsache ist. Die Autorität der Kirche sowie der Heiligen Schrift folgt für mich daraus.

Gottesbeweis

Was also ist herausgekommen bei meinem Experiment „Glaube“? Der Heilige Geist weckte mein Gewissen aus seinem jahrelangen Winterschlaf. Er machte mir sehr deutlich, dass ich mein Leben radikal ändern musste. Und Er empfing mich mit offenen Armen. Im Grunde steht meine Geschichte im biblischen Gleichnis vom verlorenen Sohn (Lukas 15, 11-32). Ich empfing das Sakrament der Beichte zum ersten Mal mit ganzer Kraft. Bis heute fühle ich mich nach jeder Beichte wie neu geboren. Ich spüre das am ganzen Körper: die Erleichterung, die überströmende Liebe Gottes, die jede Trübung der Seele abwäscht. Allein diese Erfahrung ist für mich ein Gottesbeweis, da sie jeden wissenschaftlichen Erklärungsversuch weit übersteigt.

Außerdem hat Gott mich in den letzten zwei Jahren mit einer Unmenge an tollen Begegnungen beschenkt. Gleich zu Anfang, als ich anfing, Gottesdienste zu besuchen, traf ich einen Menschen, der für mich in meiner damaligen Situation mit all meinen Fragen und Problemen einfach perfekt war. Bis heute ist er ein treuer und guter Freund. Nach ihm kamen fast jeden Monat neue tolle Menschen in mein Leben, die mich auf meinem Weg zu Jesus enorm weiterbrachten und dieser Prozess geht immer noch weiter! „Glückliche Zufälle“ dieser Art haben sich in einem derart erdrückenden Ausmaß gehäuft, dass ich nicht mehr an Zufälle glauben kann.

Heute habe ich mein Leben voll und ganz auf Jesus ausgerichtet. Natürlich scheitere ich daran täglich! Aber ich stehe auch jedesmal wieder auf. Gott sei Dank ist Gott barmherzig! Ich lerne Ihn jeden Tag ein bisschen besser kennen und darf den alten Christian hinter mir lassen. Das ist oft sehr schmerzhaft, aber immer heilsam und ich gehe gestärkt weiter. Der regelmäßige Empfang der Eucharistie trägt einen großen Teil zu meiner Stärkung bei. Ein Leben ohne Jesus ist für mich heute unvorstellbar. Ich suche Ihn im täglichen Gebet, im Lobpreis, in der Heiligen Schrift, im Dienst am Nächsten und in den Sakramenten. Niemand hat mich je so geliebt wie Er. Und Ihm gehört mein Herz. Für alle Zeit.

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Christian Simon

Christian Simon lebt zurzeit in Clausthal-Zellerfeld und absolviert als „Quereinsteiger“ gerade sein Referendariat für das gymnasiale Lehramt.

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