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Mai 30, 2023 324 0 Herbert Haslhofer
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Ihre Seele gefiel dem Herrn

Meine Frau Christa und ich wuchsen beide in gläubigen Familien auf. Unsere Eltern legten uns ein wichtiges Fundament im Glaubensleben. In der Zeit unseres Kennen- und Liebenlernens hatte Christa zum ersten Mal eine Glaubenserfahrung mit dem Beten des Rosenkranzes. Sie musste sich einer Bandscheibenoperation unterziehen, wovor sie Angst hatte. Am Tag davor betete sie voll Vertrauen den Rosenkranz, und der Eingriff hatte zu hundert Prozent geklappt, sodass Christa schmerzfrei war und wieder arbeiten konnte.

Am 10. Juli 1999 heirateten wir und errichteten in St. Thomas am Blasenstein ein eigenes Haus. Unser größter Wunsch wären eigene Kinder gewesen, was uns jedoch leider nicht zuteilwurde. Für uns war die Kinderlosigkeit einer der größten inneren Schmerzen. Doch Gottes Pläne sind viel weitreichender als unsere.

Natürlich suchten wir Wege, um eigene Kinder zu bekommen, und suchten Hilfe bei Heilpraktikern und in der Esoterik. Jedoch half das alles nicht und gab keinen inneren Frieden, wofür wir im Nachhinein Gott sehr dankbar sind, da dies ein Irrweg ist. Wir informierten uns auch über künstliche Befruchtung. Doch auch vor diesem falschen Weg hat uns Gott beschützt, da künstliche Befruchtung gegen die Lehre der Kirche steht.

Nach ungefähr zwei Jahren des Suchens kam Jesus, und Er begann uns auf den richtigen Weg zu führen. Das war der Beginn eines sehr intensiven Glaubenslebens, wo wir Schritt für Schritt, durch Exerzitien, Weihe an Jesus durch Maria, Leben-im-Heiligen-Geist-Seminar und vieles mehr, gemeinsam die kostbaren Schätze des Glaubens und der Heiligen Katholischen Kirche kennenlernen durften. Die Sakramente, wie die heilige Beichte, die Anbetung des Allerheiligsten und der tägliche Besuch der heiligen Messe wurden der Mittelpunkt unseres gemeinsamen Lebens. Darauf folgte die Organisation von Gebetsabenden und später die jährliche Organisation von Einkehrtagen und Exerzitien für einen indischen Priester in ganz Österreich. In diesen mehr als 20 Jahren gemeinsamen intensiven Glaubenslebens bekamen wir viele ‚geistige Kinder‘. Jesus hält Sein Versprechen, und Er gibt mehr als wir erbitten. In diesen Jahren bereitete uns Jesus schon auf das vor, was noch kommen würde.

Im Frühjahr 2021 erhielt Christas Mama den Befund Bauchspeicheldrüsenkrebs, an welchem sie am 13. Juli 2021 verstarb. Mitte Juni 2021 wurden bei Christa bösartige Tumore auf Lunge, Bauchspeicheldrüse und Leber diagnostiziert. Im Gespräch mit unserem Hausarzt waren wir sehr gefasst. Er fragte uns: „Wieso könnt ihr diese Nachricht so gelassen annehmen?“ Darauf antwortete Christa: „Wir waren vorher bei der Anbetung und haben Jesus die ganze Situation, wie sie auch immer sein mag, übergeben.“

Am Morgen des 26. Juli 2021 bekam Christa intensive Bauchschmerzen und musste ins Krankenhaus. Ein Magendurchbruch wurde festgestellt, was eine starke Bauchhöhlenentzündung verursachte. Sie musste notoperiert werden. Am Tag vor der Operation konnte sie noch die Sakramente der heiligen Beichte, der Krankensalbung und die Kommunion bei der heiligen Messe empfangen. Nach der Operation teilte mir die Ärztin mit, dass alles gut verlaufen sei, dass jedoch weiterhin Lebensgefahr bestehe und Christa einige Tage auf der Intensivstation verbringen müsse. Ich hatte vor der Operation sehr viele Freunde, Bekannte und auch Priester um Gebet gebeten. Spontan wurde für Christa in einer Pfarre eine 24-stündige Anbetung gehalten. Ich selber hielt während der Operation Anbetung vor dem Allerheiligsten.

Am nächsten Morgen teilte der Arzt mit, dass es Christa gut gehe und sie noch am Vormittag auf die Normalstation verlegt werde. Es war dies für mich fast nicht zu glauben. Das Gebet so vieler Menschen hatte dieses große Wunder bewirkt! Christa war nach dieser schweren Operation 50 Tage im Krankenhaus. Nie verlor sie den Glauben und die Hoffnung, und sie war immer guten Mutes und nie depressiv. Ganz im Gegenteil baute sie ihre Zimmerkolleginnen auf und verkündete ihnen den Glauben an Jesus Christus. Einmal sagte sie mir, dass sie diese Zeit im Krankenhaus als die besten und intensivsten Exerzitien ihres Lebens empfand. Jesus stand ihr zur Seite, und darauf hat Christa auch immer vertraut. Sie war in den ersten Wochen ans Bett gefesselt, da die Operationswunde nicht ganz zugenäht werden konnte, damit nicht wieder eine Entzündung entstand. Christa war dabei so geduldig und über jeder Kleinigkeit Jesus so dankbar. Sie durfte täglich die Kommunion empfangen und immer zum richtigen Moment die heilige Beichte oder das Sakrament der Krankensalbung.

Für mich dauerten diese Tage wie eine Ewigkeit, und es gab auch Momente, wo es mir schlecht ging. Doch der Heilige Geist inspirierte immer jemanden, mit mir Kontakt aufzunehmen oder mir eine Bibelstelle zu schicken, welche ich genau in diesem Moment benötigte. Ich machte die Erfahrung, dass Jesus sich um uns kümmert, ganz besonders in Zeiten, wo man das Gefühl hat, dass er einen verlassen hätte.

Einer der schönsten Momente war, als Christa am 13. September vom Krankenhaus nach Hause kam – einem Fatima-Tag. (Die Erscheinungen der Muttergottes im portugiesischen Fatima waren an einem 13.) Wir konnten wieder gemeinsam täglich zur heiligen Messe fahren. Ende Jänner 2022 wurde es für Christa immer beschwerlicher, und wir feierten die heilige Messe über Livestream mit. Christas Kräfte ließen nach, und es sammelte sich aufgrund der Tumore Wasser in den Beinen und im Bauch an. Anfang März 2022 musste sie wieder ins Krankenhaus. Sogar diesen letzten Krankenhausaufenthalt sah Christa als Gottes Plan. Denn eine Krankenschwester erzählte ihr von einer Freundin, die ein Kind erwartete, ohne Arme und Beine. Die Ärzte empfahlen eine Abtreibung. Christa erklärte ihr, dass eine Abtreibung nicht richtig sei und Gott einen Plan für dieses Kind habe.

Nach dem Krankenhausaufenthalt kam Christa nicht mehr richtig zu Kräften. Sie benötigte Hilfe beim Aufstehen, Toilettengang usw., und es musste immer jemand bei ihr sein. Ich erhielt von meinem Arbeitgeber in dieser Zeit die volle Unterstützung und konnte vorwiegend von zu Hause aus arbeiten.

Die letzten Wochen, in denen ich Christa betreuen und pflegen durfte, waren sehr prägend in unserer Ehe. Wir fuhren täglich am Morgen mit dem Rollstuhl im Garten und beteten den Rosenkranz. Dabei sagte Christa oft: „Schau wie schön die Frühlingsblumen blühen. Jeden Tag werden sie mehr.“ Christa bewunderte die Schönheit der Schöpfung Gottes, sah jedes noch so kleine Detail und dankte Gott dafür. Natürlich gab es auch Momente, in denen ich ungeduldig war und ich sie durch meine Worte und Verhalten innerlich verletzte, so dass ich Christa sofort um Verzeihung gebeten habe. Diese Momente der Versöhnung waren so schön, und unsere Liebe zueinander wuchs. Jedem Ehepaar kann ich empfehlen: Bittet um Verzeihung nach einem Streit und vergebt einander. Wie sehr würde ich mir wünschen, meine Christa noch zu haben!

Die Betreuung war anstrengend, aber sie war mir sehr dankbar, sagte mir das auch oft und ließ es mich spüren. Ich antwortete ihr: „Christa, ich tue das liebend gerne für dich, denn du weißt, was ich dir am Tag unserer Hochzeit vor Gottes Angesicht versprochen habe, und dieses Versprechen werde ich immer halten.“

Am Morgen des Mittwochs in der Osteroktav ging es Christa schon sehr schlecht. Sie hatte kaum mehr getrunken und gegessen. Ich trug an diesem Morgen das Allerheiligste aus unserer Kapelle ins Schlafzimmer, und Christa begrüßte Jesus mit einem Kreuzzeichen und einem strahlenden Lächeln.

In den letzten Stunden ihres Lebens standen mir unsere Freunde Margit und Alois zur Seite. Wir waren so beisammen wie bei unserem 14-tägigen Gebetskreistreffen. In diesen letzten Stunden geschahen zwei Dinge, die für Christas Sterben ganz wichtig waren: Schwester Veronika sendete mir eine Nachricht: „Herbert, hast du Christa schon gesagt, dass sie gehen darf, wenn Jesus sie ruft?“ Ich sagte dies meiner lieben Frau dann, die mit einem Lächeln antwortete. Dazu muss ich noch sagen, dass ich Christa am Vortag am Bett kniend unter Tränen gesagt hatte: „Christa, du kannst mich nicht allein lassen.“ Daraufhin hatte sie mir über den Kopf gestreichelt und gesagt: „Herbert, ich sterbe doch eh nicht.“ Dieses mein Festhalten hatte Schwester Veronika durch die Führung des Heiligen Geistes erkannt. Einige Tage nach dem Begräbnis fand ich in Christas Handytasche eine Bibelstelle: „Ich werde nicht sterben, sondern leben, um die Taten des Herrn zu verkünden.“ (Psalm 117,18)

Auch unser Pfarrer kam, und Christa begrüßte ihn mit einem Lächeln. Nach der Krankensalbung wurde sie ganz ruhig. Zuvor hatte sie Schwierigkeiten mit dem Atmen. Margit und ich fingen an zu beten: „Jesus, Maria und Josef, helft uns!“ Und Christa betete mit uns und pries Gott mit „Halleluja“. In den letzten Minuten wollte sie noch einmal aus dem Fenster zur Grotte mit der Muttergottes im Garten blicken. Danach durfte Christa im Frieden zu ihrem Herrn und Heiland Jesus Christus heimgehen. Diese letzten Stunden waren so gnadenvoll, dass ich es in Worten nicht ausdrücken kann.

Seit Beginn der Krankheit hatten wir durchgehend die Novene „Jesus, sorge du!“ von Don Dolindo Ruotolo gebetet. Diese Novene hatte Christa nicht nur gebetet, sondern sie gelebt. Sie hatte alles Jesus übergeben, Ihm alles anvertraut und jede Situation angenommen: die zunehmende Schwäche, das Angewiesensein auf Hilfe, den Rollstuhl, wegen vieler ‚Kleinigkeiten‘ jemanden bitten zu müssen, vieles nicht mehr machen zu können … Sie hat sich Jesus ganz und gar in Liebe und Hingabe aufgeopfert, und das oft mit dem strahlenden Lächeln, das viele von ihr kannten. Ich möchte schließen mit den Worten dieser Novene: „O Jesus, ich gebe mich Dir hin, sorge Du. Amen!“

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Herbert Haslhofer

Herbert Haslhofer 1973 in Freistadt, Oberösterreich geboren, wuchs auf einem Bauernhof auf. Seit 33 Jahren ist er Bankangestellter. Herbert ist mitverantwortlich für den Abend der Barmherzigkeit in der Pfarre St. Thomas am Blasenstein/Österreich, der seit dem Jahr 2016 jeden Herz Jesu Freitag stattfindet.

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