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Jul 28, 2021 157 0 Craig Robinson, Australia
Begegnung

Vollständig wiederhergestellt

Ich bin nicht mit dem Glauben aufgewachsen. Obwohl meine Großeltern gläubige Anglikaner waren, gehörte meine Familie nicht zu den Kirchgängern. Ich ging auf eine anglikanische Highschool, aber das bedeutete mir nicht viel. In meinen Teenagerjahren dachte ich kurz über die Existenz Gottes nach, tat es aber schnell als lächerlich ab. Ich erinnere mich, wie ich eines Tages auf meinem Surfbrett saß, umgeben von kleinen Wellen, und betete: „Bitte schick mir ein paar Wellen.“ Dann dachte ich: „Wie kann ich beten, wenn ich nicht an Gott glaube?“

Ich hatte keine Ahnung, dass tief in meinem Herzen eine echte Leere herrschte. Dieses spontane Gebet war ein Zeichen dafür, dass mir etwas Wesentliches fehlte. Nach der Schule trat ich in die Armee ein, um an der australischen Verteidigungsakademie zu studieren. Dies fiel jedoch mit meiner Phase der Teenager-Rebellion zusammen. Ich ging aus und trank, vernachlässigte die Hausaufgaben und fiel bei fast jeder Prüfung durch. Ich weigerte mich sogar, meine Haare zu schneiden, was in der Armee nicht gut aussah.

So war es nicht verwunderlich, dass ich bald wieder auf dem Weg nach Hause war. Aber meine Mutter wollte diese schlechten Angewohnheiten nicht tolerieren. Nachdem ich lange ausblieb und trank, sagte sie mir, dass mein Verhalten inakzeptabel sei. Als ich versuchte zu argumentieren, sagte sie mir, dass ich anfangen müsse, Kostgeld zu zahlen, wenn ich meine Zeiten selbst bestimmen wolle. Ich war so stur, dass ich anfing, genau das zu tun, aber es war das Beste, was meine Mutter je zu mir sagte.

Das veranlasste mich, Vermessungstechnik zu studieren und drei Teilzeitjobs anzunehmen.  Doch in meiner Freizeit trank ich mindestens drei Nächte pro Woche und experimentierte mit anderen Drogen. Nur das Eingreifen meines Schutzengels bewahrte mich davor, mich selbst oder jemand anderen durch meine Rücksichtslosigkeit umzubringen, vor allem, wenn ich im betrunkenen Zustand Auto fuhr.

Manchmal hatte ich Erinnerungslücken über mehrere Stunden. Ich hatte völlige Blackouts. Ich glaube nicht, dass irgendjemand mitbekam, was ich mir da antat. Auch meine Sexualmoral war sehr zweifelhaft. Die Verfügbarkeit von Pornografie in einem frühen Alter beeinflusste, wie ich Frauen behandelte. Das erschreckt mich jetzt zutiefst und es betrübt mich, über mein damaliges Verhalten nachzudenken. Ich wünschte, ich könnte zurückgehen und den Schaden reparieren, den ich verursacht habe.

Entscheidungen, die wir treffen

Nach der Universität bekam ich einen Job im Bergbau, der es mir ermöglichte, eine Menge zu sparen, da es da draußen nicht viel gibt, wofür man es ausgeben kann. Also machte ich mich auf, um in Europa Urlaub zu machen. Meine Wahl des Lesestoffs – ein New-Age-Buch – war ein guter Hinweis auf den Zustand meiner Spiritualität. Es war an der Zeit, den Sinn des Lebens zu erforschen. Ich erinnere mich, dass ich dachte: „Ich mag diesen Typen wirklich, Jesus Christus. Er liebt die Armen. Er ist nicht materialistisch. Er hat den Finger am Puls der Zeit, was den Frieden angeht, aber diese Sache, dass er der Sohn Gottes ist – das ist unmöglich. Er ist nur eine dieser großen Figuren in der Geschichte, wie Gandhi oder Buddha.“

Um meinen Aufenthalt in Europa zu verlängern, fand ich einen Job, bei dem ich Schiffe und Ölplattformen in der Nordsee navigierte. Von einem Stützpunkt in Schottland aus flog mich ein Hubschrauber zu den über die Nordsee verstreuten Bohrinseln bis hin zum Polarkreis. Nach zwei oder drei Tagen Arbeit kehrte ich zurück und hatte zwei oder drei Tage frei. Der Freund meiner Vermieterin war ein wiedergeborener Christ, der mir ein Buch zu lesen gab, „The Late, Great Planet Earth“ über die Endzeit. (Deutsch: Der alte, große Planet Erde. Scott Hahn hat das gleiche Buch vor seiner anfänglichen Bekehrung zum Christentum gelesen.) Ich las etwa zehn Seiten, bevor ich beschloss, dass es nicht mein Fall war.

Eines Tages wurde ich unerwartet zu einem dringenden Auftrag gerufen. Um mir die Zeit auf Flügen zu vertreiben, habe ich normalerweise ein Buch zum Lesen mitgenommen, aber ich hatte nichts außer diesem einen dabei, also schnappte ich es mir aus Mangel an Alternativen, als ich aus der Tür ging. Ich war in die Lektüre vertieft, und so verging der Flug wie im Nu. Da der Auftrag nicht lange dauerte, hatte ich viel Zeit zum Ausruhen und Nachdenken, während ich auf den Hubschrauber wartete. Dann kreuzte fast unbemerkt eine Reihe von Gedanken meinen Geist, die mich zu der verblüffenden Erkenntnis führten, dass Jesus Christus der Sohn Gottes ist.  Ich wusste nicht, woher diese Gedanken gekommen waren.

Alles, was ich über Jesus gehört hatte, begann aus irgendeinem Grund einen Sinn zu ergeben. Ich war ein wenig fassungslos und wusste nicht, was ich tun sollte, also sagte ich: „Jesus, wenn das wahr ist, lass es mich bitte wissen.“ In diesem Moment strahlte ein erstaunliches Licht aus meiner Brust, erfüllte die ganze Kabine und erfüllte mich mit ekstatischer Freude. So etwas hatte ich noch nie erlebt und es haute mich aus den Socken. Ich verspürte ein brennendes Verlangen, die Bibel zu lesen, also besorgte ich mir sofort eine, denn ich konnte nicht warten. Ich verbrachte meine drei Urlaubstage damit, das ganze Neue Testament durchzulesen, von Matthäus bis zur Offenbarung.

In die Tiefe wachsen

Bei meiner Rückkehr nach Australien freute sich meine Mutter, mich wiederzusehen und stieß auf meine Bibel, als sie mir beim Auspacken half. „Was ist das?“, fragte sie erstaunt, also erzählte ich ihr die Neuigkeiten. „Ich bin ein Christ. Ich habe zum Glauben gefunden.“ Ihre Antwort war entmutigend: „Craig, verliere nicht deine Freunde.“ Ich hatte einen wirklich tollen Haufen von Freunden. Durch einen von ihnen wurde ich tatsächlich katholisch. Karl heiratete eine Katholikin, deren Familie stark in einer charismatischen Gemeinschaft engagiert war. Als sie mich zu einem Gebetstreffen einluden, war das eine völlig neue Erfahrung für mich, aber ich liebte es. Sie hatten einen zehnwöchigen Kurs, der in dieser Woche begann, und fragten mich, ob ich daran teilnehmen könnte.

Der Herr schien mich wirklich nach Hause zu bringen. Einer von ihnen fragte mich eines Tages: „Warum denkst du nicht darüber nach, katholisch zu werden?“ Ohne zu zögern, antwortete ich: „Ja, dafür bin ich wirklich offen.“ Also begann ich ein persönliches Katechuminat mit ihrem Kaplan, Pater Chris. Er gab mir einen Katechismus, in dem alle katholischen Lehren erklärt wurden, die wir studieren würden. Ich las ihn durch und sagte ihm, dass ich mit nichts davon ein Problem hätte. Ich glaubte es alles, ohne Zweifel. Nichts, was die Kirche lehrte, war ein Hindernis für mich. So wie alles für mich einen Sinn ergab, als ich das Neue Testament zum ersten Mal las, konnte ich sofort erkennen, dass die Lehren der katholischen Kirche wahr waren. Ich hatte überhaupt keine Zweifel.

Eine höhere Berufung?

In den nächsten zwei Jahren wurde ich katholisch, besuchte täglich die Messe und wuchs weiter in meinem Glauben. Als ich über die Zukunft nachdachte, überlegte ich, ob Gott mich zu einer religiösen Berufung oder zur Ehe berufen würde. Pater Chris war im Servitenorden, und so entschied ich mich, ihnen beizutreten, um herauszufinden, ob ich dazu bestimmt war, Priester zu werden. Sie schickten mich zur Ausbildung nach Melbourne, aber schon bald merkte ich, dass dies nicht das war, wozu Gott mich rief. Aber es war alles Teil seines Plans, denn in Melbourne traf ich Lucy wieder, eine reizende junge Frau, die zwei Jahre später meine Frau werden sollte.

Meine Glaubensreise war ein solches Geschenk für mich. Ich war nicht einmal daran interessiert, Katholik oder gar Christ zu werden. Ich habe nicht einmal versucht zu verstehen, wer Gott ist. Ich habe nicht einmal die Fragen gestellt. Gott hat in seiner unendlichen Barmherzigkeit einfach entschieden zu sagen: „Nun, es ist jetzt an der Zeit für ihn.“ Er gab mir diese Erfahrung auf der Bohrinsel und machte sie so dramatisch, weil er wusste, dass ich das brauchte. Wenn es eine subtilere Erfahrung gewesen wäre, wäre ich heute wahrscheinlich nicht einmal ein Christ. Ich brauchte einfach einen Schlag zwischen die Augen. Aber, mit der Hand auf dem Herzen, kann ich ehrlich sagen, dass ich seitdem nicht eine Sekunde daran gezweifelt habe, dass Gott existiert, oder dass Jesus Christus der Sohn Gottes und mein Retter ist, durch seinen Tod am Kreuz für meine Sünden.

Anbruch der Wunder

Die Gründung einer Schule – Angelorum College in Brisbane – ist jetzt das große Projekt unserer Familie. Lucy möchte Familien helfen, in der Heiligkeit zu wachsen. Das ist das primäre Ziel der Schule, und alles, was wir tun, ist darauf ausgerichtet, das zu unterstützen. Da es vorher keine katholische Fernschule in Australien gab, unterstützen wir auch Familien, die zu Hause unterrichten, mit Lehrplänen und anderer praktischer Hilfe.

Am Anfang habe ich fast dafür gebetet, dass es nichts wird, denn es schien verrückt zu sein, zu denken, dass wir eine Schule gründen könnten, und es gab so viele Hindernisse zu überwinden. Das erste Wunder war, dass die Schule genehmigt wurde. Das zweite Wunder war, einen Ort zu finden, an dem wir die Schule einrichten konnten – danke, Legion Mariens. Seitdem hat es viele Wunder gegeben, und nach fünf Jahren trägt es Früchte im Leben all der Familien, die sich uns bei diesem verrückten Unterfangen angeschlossen haben. Wir beten jetzt für das Wunder, ein größeres, dauerhaftes Zuhause zu finden. Es ist so aufregend, unseren Glauben mit der nächsten Generation zu teilen, zusammen mit solch treuen, großzügigen und liebevollen Familien.

Der Liebe Christi zu begegnen und zu erkennen, was er für uns getan hat und immer noch für uns tut, ist lebensverändernd. Die Ewigkeit hat sich vor mir aufgetan, deshalb möchte ich diese gute Nachricht weitergeben. Zuvor war ich tot, aber jetzt bin ich lebendig, ich habe die wertvollste Perle gefunden. Jeder von uns ist nach dem Bild und Gleichnis Gottes geschaffen und wir finden unsere Erfüllung in ihm.

Vor meiner Bekehrung habe ich verzweifelt versucht, die sehnsüchtige Leere in mir mit weltlichen Vergnügungen zu füllen, die mich niemals befriedigen konnten, aber nach meiner Bekehrung hat er mich vollständig gemacht. So gehe ich jetzt nicht mehr aus, um mich zu betrinken, nicht nur, weil ich nicht den Verstand verlieren will, sondern weil ich kein Bedürfnis mehr habe, das zu tun, seit ich meine Freude im Herrn gefunden habe. Ich werde endlich zu der Person, die der Herr für mich vorgesehen hat, da er mich gerettet hat.

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Craig Robinson

Craig Robinson is the Chairman of the Board of Angelorum College in Brisbane, Queensland, Australia. This article is based on his testimony for the Shalom World program “Jesus My Savior”. To watch the episode visit: shalomworld.org/show/jesus-my-savior

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