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Feb 16, 2022 512 0 Pater John Harris OP
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Was uns vollkommen lebendig macht

Es ist Zeit aufzuwachen, zu leuchten und zu glänzen!

Der heilige Papst Johannes Paul II hat uns alle dazu angehalten, die Tür zu unserem Herzen für Jesus Christus zu öffnen. Er hat uns eingeladen, die Fruchtbarkeit zu erleben, unser Leben in der Anwesenheit Gottes zu führen.  Aber in der heutigen Welt fühlt sich der Gedanke, Gott in deinem Leben zu haben, wie eine Belastung an. Die Welt nimmt das biblische Bild von Gott als Befreier, derjenige, der uns befreit, und verfälscht es in ein Bild von jemandem, der gegen unseren Frieden, unser Vergnügen und unsere Hoffnung ist. Aber das ist eine komplette Verzerrung.

Vollkommen menschlich und lebendig zu sein, bedeutet, Gott in unserem Leben zu haben. Wenn Gott in unserem Leben ist, erfahren wir die Früchte seiner Gegenwart – die Früchte des Friedens, der Liebe, der Freude, des Sanftmuts und der Freundlichkeit – all diese machen uns menschlicher und lebendiger.

Der Weg zu leben

Jesus sagte: „Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.“ Sehr häufig sehe ich bei der Begleitung von jungen Menschen den Druck, den sie in ihrem Leben erfahren. Sie arbeiten hart, um an die Hochschule oder Universität zu kommen oder Zugang zum Berufsleben zu finden. Sie haben sehr wenig Zeit, ihr Leben zu genießen. Das Leben wird zu einer Abfolge von Dinge bekommen und Dinge haben. Es dreht sich immer darum, woanders zu sein. Das ist keine Art, dein Leben zu leben.

Der Weg unser Leben zu leben ist, Gott in die Mitte unseres Lebens einzuladen und ihm zu erlauben, dir zu helfen, dein wahres Selbst zu sein. Gott machte uns ganz Mensch und er erfreut sich an unserer Menschlichkeit.  Gott erwartet nicht von uns, Geist oder Engel zu sein. Jesus kam in unsere Welt, die kaputt, voller Sünder und  Menschen mit Krankheiten ist; eine Welt, die Gott braucht, die Liebe, Frieden und Freude braucht. Und es ist eine Tatsache, dass wir diese Dinge nicht ohne Gott in unserem Leben haben können. Es ist mir unmöglich, mir mein Leben ohne Gott vorzustellen.

Unerwarteter Anruf

Einmal wurde ich von einer Frau kontaktiert, die mich fragte, ob ich ihrem Mann beistehen würde, der im Krankenhaus lag. Nennen wir ihn Peter. Sie war besorgt, wie er auf die Nachricht reagieren würde, dass seine Untersuchungsergebnisse darauf hindeuteten, dass er nur noch ein paar Monate zu leben hatte.

Ich ging, um Peter zu besuchen. Während wir da saßen und beteten, kam der Arzt herein. Er teilte ihm die schlimme Nachricht mit und dann war es still. Ich hatte viel dafür gebetet, dass Gott uns in diesem Moment beistehen würde. Peter schaute mich an und fragte: „Vater, ist nicht Gott bei mir?“

„Natürlich ist er mit dir“, sagte ich.

„Gut…“, sagte er, „Wenn Gott bei mir ist, dann kann ich es ertragen.“ Als Jesus Mensch wurde und in die Realität unserer Welt eintrat, erlebte er die Freuden und Prüfungen des Menschseins. Er hat viele der schwierigen Orte, zu denen wir alle im Leben gehen, besucht. Also egal, wohin wir gehen, Jesus ist  gerade vor uns da. Peter verstand das. Er wusste, Jesus war da, um ihn zu begleiten. Was auch immer ihm bevorstand, selbst der Tod, Jesus würde bei ihm sein. Jesus würde seine Prüfung verstehen, denn er hatte das Schlimmste durchgemacht im Garten von Getsemani.

Die große Veränderung

Peter erzählte mir, dass er seine letzten Monate, seine letzten Wochen mit Jesus, seiner Frau und seinen Kindern leben würde. Es schien, dass als er dem Tod von Angesicht zu Angesicht gegenüber stand, er dem Leben von Angesicht zu Angesicht gegenüber stand. Überzeugt, dass Jesus bei ihm war, sagte er: „Jetzt kann ich dieses Leben leben, ich kann mit der Krankheit leben, ich kann mit der Prognose leben, ich kann mit meiner Familie leben.“

An diesem Tag betraten seine Frau und ich Peters Zimmer besorgt darüber, wie wir ihm helfen könnten. Aber am Ende war er es, der uns geholfen hat, das Leben wertzuschätzen und zu wissen, dass wo immer Jesus ist, die Fülle des Lebens ist. Da ist nichts in unserem Leben, das nicht von Jesus berührt werden kann. Es gibt keinen Ort, an den wir gehen können, selbst unsere Versuchungen und Schwächen, wo Jesus nicht neben uns gehen wird, weil er auch schon da gewesen ist. Wenn du still da sitzt und dich wunderst: „Hört jemand meine Gedanken? Sieht jemand meine Tränen? Versteht mich irgendjemand wirklich und das, was ich im Leben zu erreichen versuche?“ Sei versichert: Die Antwort ist ja. Da ist jemand, der dich versteht und für dich sorgt.

Zum Genießen gemacht

Deine Tränen sind nicht verloren, deine Traurigkeit ist nicht vergessen. Es gibt eine großartige Redewendung im Buch Genesis. Nachdem er Adam geschaffen hat, sagt Gott: „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein bleibt“ (Gen 2,18) Gott sprach über die Notwendigkeit, eine Gefährtin für Adam zu finden. Aber ich glaube, er sprach auch über etwas viel Tiefgründigeres. Er hat über unser Bedürfnis gesprochen, Gott in unserem Leben zu haben. Gott möchte in unserem Leben sein, und es ist nicht gut, dass ein Mann, eine Frau oder ein Kind allein ist. Wir sind für die Gemeinschaft gemacht. Wir sind für Freundschaft gemacht. Wir sind geschaffen, um unser Leben gemeinsam zu genießen.

Die Heilige Theresa von Avila hatte eine Vision der Hölle, in der sie Männer alleine in ihrer eigenen Gefängniszelle sitzen sah, den Rücken zur Tür gewandt, den Kopf in den Händen, über sich selbst grübelnd und zutiefst traurig. Gott hat uns nicht geschaffen, um einsam und traurig zu sein. Er hat uns zur Gemeinschaft miteinander und hauptsächlich mit ihm gemacht. Wir können nur vollkommen menschlich sein, wenn wir wissen, dass wir geliebt werden. Wir finden Gott nicht, indem wir eine Pilgerfahrt zum höchsten Berg oder zum tiefsten Meer machen. Wir müssen ihn in unseren eigenen Seelen und Herzen finden. Und wenn wir ihn dort finden, entdecken wir, dass er gekommen ist, um die Frucht der Freude und des Friedens zu bringen. Jesus kommt, um mit uns direkt im Zentrum unseres Lebens zu stehen. Er kommt in die Zerbrochenheit, die Bedürftigkeit und Armut unseres Lebens. Alles, was wir tun müssen, ist zu sagen:

Herr, wo immer ich bin und was auch immer in meinem Leben geschieht, ich möchte dich bei mir haben. Ich bitte, dass deine Anwesenheit und die Kraft des heiligen Geistes in mir mein Leben ertragreich machen. Ich möchte das Leben in vollen Zügen genießen. Denn Fülle des Lebens ist das, was du für mich willst. Amen.“

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Pater John Harris OP

Pater John Harris OP ist der Provinzial der Irischen Provinz der Dominikaner.

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