Startseite/Engagieren/Artikel

Jun 20, 2022 477 0 Mary Therese Emmons, USA
Engagieren

Heimgehen

„Die Welt ist ihr Schiff und nicht ihre Heimat“ ist ein berühmtes Zitat der heiligen Therese von Lisieux. Tatsächlich befinden wir uns alle auf einer Reise zu unserem endgültigen Ziel…

Als Kind versicherte mir meine Mutter einmal, dass Gott eine Seele nur dann mit nach Hause nimmt, wenn sie wirklich dazu bereit ist. Das war so ein beruhigender Gedanke, dass ich ihn in meinem Herzen trug und mich zum Trost daran festklammerte, wenn ich den Verlust geliebter Menschen in meinem Leben erlitt. Das wundersamste Beispiel dieser ermutigenden Aussage war das meines geliebten Ehemannes in seinen letzten Lebenstagen.

Der Anfang vom Ende

Chris kämpfte über drei Jahre gegen den Gehirntumor – eine schreckliche Krankheit, mit einer Lebenserwartung von einem Jahr und einer kontinuierlichen fast unerträglichen Behandlung. Es war eine bewegende und schmerzhafte dreijährige Reise – voller hoffnungsvollen Höhen und einer gleichen Anzahl von verheerenden Tiefs. Als Chris Krebs ohne Hoffnung auf Eindämmung zu streuen begann und alle Optionen ausgereizt waren, traf Chris die herzzerreißende Entscheidung, seine Behandlung zu beenden und die ihm noch verbleibende Lebenszeit zu genießen, es alles in Gottes Hände zu legen.

Diese Entscheidung markierte den Anfang vom Ende. Den Herzschmerz, den ich bei dem Gedanken empfand, ihn nach so einem tapferen Kampf, von dem wir hofften, dass er ihn weiterkämpfen könnte, zu verlieren, war fast unerträglich. Ich brachte Chris zur Palliativversorgung mit dem Versprechen an ihn, dass unsere Kinder und ich seinen Wusch respektieren würden, und ihn bis zum Ende zu Hause pflegen.

Verängstigt bei dem Gedanken an eine derart gewaltige Zusicherung, für die ich keine Ausbildung oder Erfahrung hatte, vertraute ich voll auf Gott, flehte um seine Barmherzigkeit und Führung. Der Regen aus himmlischer Gnade und Segen, den wir auf diese verzweifelte Bitte erhielten, würde unsere Familie durch Chris letzten Wochen bringen.

Kaum lauter als ein Flüstern

Mit der Beendigung der Therapie begann Chris Gehirn an den Folgen der rasant streuenden Erkrankung zu leiden. Leichter Gedächtnisverlust wurde zu einem erheblichen Gedächtnisverlust und dann begannen die Krampfanfälle – alles innerhalb weniger Wochen. Eines Abends ohne große Vorwarnung, erlitt Chris einen großen epileptischen Anfall. Nachdem er sich nach einem fokalen Anfall auf die Couch gesetzt hatte, versammelten sich meine Kinder und ich um ihn, weil wir spürten, dass etwas nicht stimmte. Ich nahm seine Hand in meine und während ich dies tat, fühlte ich, wie sich sein ganzer Körper zu versteifen begann. Seine dunklen braunen Augen rollten in seinem Kopf zurück und er begann unkontrolliert zu zittern – dann stieß er einen lauten Schmerzensschrei aus.

In dem Zustand von Fassungslosigkeit und panischer Angst vor dem, was wir erlebten, versuchte ich meine Kinder zu beruhigen und suchte nach Kraft und göttlichem Beistand für meinen Mann auf die einzige Art, die ich kenne – im Gebet. Als ich meinen Chris hielt, leitete ich unsere Kinder sanft durch das Vaterunser – gefolgt von einem Gebet zur Mutter Maria, der er so ergeben war. Kurz darauf begann Chris Anfall nachzulassen. Er lag bewegungslos da, unfähig die verängstigten, tränenverschmierten Gesichter zu sehen, die ihn umgaben. Als er nach vollständiger Wiedererlangung des Bewusstseins seine Augen öffnete, begann er mit verwirrtem Blick seine Umgebung abzusuchen. Sein Blick traf meinen und ich versicherte ihm sanft, dass es in Ordnung ist – und versuchte sofort danach herauszufinden, welche Hilfe er in diesem Moment von uns wollte.

Kaum in der Lage, sich zu verständigen, und nicht lauter als ein Flüstern antwortete Chris mit den Worten: „Ich…möchte…Gott.“ Ich wusste, es war genau dieser Moment. Ich wusste, Gott bereitete ihn vor, und ich wusste, dass mein vom Glauben erfüllter Ehemann sich nach Hause sehnte – sein ewiges Leben. Obwohl ich über die Erkenntnis, dass sein Ende nahte, am Boden zerstört war, empfand ich ein Gefühl überwältigender Dankbarkeit für diese kostbare Gnade der Annahme.

Chris war nicht länger mit dem quälenden Gedanken belastet, seine Familie in dieser Welt zurück zu lassen. Er war von diesem Kreuz befreit worden und erhielt das unermessliche Geschenk des Friedens als auch ein tieferes Verständnis dafür, welche Pracht das nächste Leben bereithält. Mein wunderbarer gläubiger Ehemann war bereit. Am darauffolgenden Wochenende, während er friedlich umgeben von der Familie im Bett ruhte und wir unseren Rosenkranz beteten, verstarb unser geliebter Chris. Es war der Tag des Herrn und das Fest Mariä Namen. Und seine schöne Seele war mehr als bereit.

Teilen:

Mary Therese Emmons

Mary Therese Emmons ist eine vielbeschäftigte Mutter von vier Teenagern. Sie verbrachte über 25 Jahre als Katechistin in ihrer örtlichen Gemeinde, lehrte kleinen Kindern den katholischen Glauben. Sie lebt mit ihrer Familie in Montana, USA.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Neueste Artikel