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Okt 27, 2023 168 0 Denise Jasek
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Der blinde Fleck

Auf der kurvenreichen Fahrt des Lebens ist es wichtig, die toten Winkel zu erkennen.

Wir wissen, wie wichtig es ist, den toten Winkel unseres Autos zu überprüfen, insbesondere vor dem Spurwechsel, Rückwärtsfahren oder Wenden. Leider lernen wir das manchmal auf die harte Tour.

In letzter Zeit ist mir der Gedanke gekommen, dass wir alle körperliche und geistliche blinde Flecken haben. Jesus lehrte, uns vor letzteren zu hüten, als er sagte: „Ich bin in diese Welt gekommen, damit die Blinden sehend und die Sehenden blind werden.“ Einige Pharisäer, die bei ihm waren, hörten dies und fragten: „Was? Sind etwa auch wir blind?“ Jesus antwortete: „Wenn ihr blind wärt, hättet ihr keine Sünde. Jetzt aber sagt ihr: Wir sehen. Darum bleibt eure Sünde.“ (Johannes 9:39-41) Was will Jesus uns hier sagen?

Wir müssen sehr darauf achten, dass wir zu Jesu Füßen sitzen bleiben, seine Anweisungen befolgen, von ihm lernen und für seine Korrekturen offen bleiben. Sobald wir denken, dass wir „angekommen“ sind oder diesen christlichen Lebensstil „drauf“ zu haben“, begeben wir uns auf gefährliches Terrain. Unsere weisesten Gedanken, größten Opfer und tiefste Liebe sind nur ein Hauch im Vergleich zu Gottes unendlicher liebender Weisheit.

Denn wir sehen nur teilweise; wir sehen nicht das ganze Bild, den Gesamtplan. Das tut nur Gott. Der heilige Paulus drückt es so aus: „Jetzt schauen wir in einen Spiegel und sehen nur rätselhafte Umrisse, dann aber schauen wir von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich unvollkommen, dann aber werde ich durch und durch erkennen, so wie ich auch durch und durch erkannt worden bin.“ (1. Korinther 13,12)

Auf die harte Tour lernen

Wenn ich auf mein Leben zurückblicke, erinnere ich mich, dass ich mir meines Stolzes, meiner Sünden, meiner Unzulänglichkeiten, Urteile, Annahmen, meiner Voreingenommenheit, Ängste und meinem mangelnden Vertrauen oft gar nicht bewusst war. Zum Glück hat Gott Menschen und Ereignisse in mein Leben gebracht, die dazu beitrugen, einige dieser Bereiche der geistlichen Blindheit aufzudecken.

Ich neige dazu, auf die harte Tour zu lernen. Jahrelang konnte ich nicht genau sagen, warum eine Frau mich aktiv mied. Das führte zu großen Spannungen, da wir in der gleichen Spiel- und Gebetsgruppe waren. Schließlich fand ich den Mut und die Demut, sie zu fragen, wie ich sie beleidigt hatte. Die Antwort tat weh, und obwohl wir nie Freunde wurden, bin ich mir jetzt wenigstens über einen meiner blinden Flecken im Klaren, der vorher unter dem Radar war. Man muss ein demütiges Herz haben, um zuzulassen, dass Menschen uns Splitter aus den Augen entfernen. Und unser Problem ist, wir sind oft nicht demütig genug.

Es gibt viele Fälle in meinem Leben, in denen ich mir des Schadens nicht bewusst war, den meine Unversöhnlichkeit, mein Stolz, mein Kontrollzwang, meine Toleranz für Sünden oder mangelnde Dankbarkeit verursacht haben. Ich möchte hier kein öffentliches Bekenntnis ablegen, aber Gott hat langsam die Schichten geistlicher Blindheit von mir abgeschält. Obwohl es schmerzhaft sein kann, habe ich hierdurch größere geistliche Freiheit gewonnen.

Jeden Tag mehr zu lernen

Eine weise Freundin sagte mir einmal, dass sie sich jedes Jahr auf die Fastenzeit freut. Ich gehörte noch nie zu den heiligen Seelen, deshalb wurden meine Ohren hellhörig, als sie das sagte. Sie sagte mir, dass sie sich nicht aussucht, was sie in der Fastenzeit aufgibt oder tut. Das überlässt sie ihrem Mann. Ich war von diesem Konzept absolut überwältigt.

Was wäre, wenn wir unseren Ehepartner oder einen vertrauenswürdigen Mitchristen fragen würden, wie wir geistlich wachsen können oder welche sündige Gewohnheit wir bekennen sollten?

So oft ist unsere Hauptsünde unter offensichtlicheren Problemen begraben. Zorn könnte zum Beispiel auf Unversöhnlichkeit zurückzuführen sein, Sorgen können aus dem Bedürfnis nach Kontrolle entstehen, und Perfektionismus hat oft mit Stolz zu tun. Die meisten Sünden haben ihren Ursprung in einem Mangel an Vertrauen in Gottes Güte.

Die Kraft der Orientierung

Es gibt echt Kraft, wenn man in der Lage ist, seine Hauptsünde zu benennen. Wenn Sie sie identifizieren können, können Sie Buße tun und sich von ihr befreien. Wurzelsünden sind jedoch heikel; sie bleiben gern im Verborgenen. Ein guter regelmäßiger Beichtvater oder Seelsorger ist dabei eine große Hilfe. „Oh, hätte ich doch nur von Anfang an einen geistlichen Begleiter gehabt, dann hätte ich nicht so viele Gnaden Gottes vergeudet“, schrieb die heilige Faustina.

Wir können uns Rechenschaftspartner suchen. Gott benutzt oft andere Menschen, um uns zu helfen, uns selbst besser zu sehen. Familienmitglieder, besonders diejenigen, die aktiv Christus nachfolgen, können großartige Tote-Winkel-Prüfer sein, denn sie sehen uns in unseren besten und schlechtesten Momenten. Und vergessen wir nicht, Gott einfach zu bitten, dass er uns unsere blinden Flecken offenbart.

Wie wäre es, wenn wir uns auf die Beichte vorbereiten, indem wir den Heiligen Geist bitten, uns einen Bereich der Sünde zu zeigen, den wir vergessen oder ignorieren? Wie wäre es, wenn wir am Ende eines jeden Tages das Gleiche tun würden?

Ich empfehle besonders, den Rat weiser Christen einzuholen, bevor wir große Entscheidungen treffen. So wie es wichtig ist, den toten Winkel zu überprüfen, wenn wir im Auto einen Spurwechsel planen, müssen wir das auch tun, wenn wir über unsere Berufung nachdenken, die Berufswahl und andere wichtige Lebensentscheidungen treffen.

Himmlischer Vater, gib uns ein demütiges, hörendes Herz, damit Du uns zum Besseren verändern kannst. Gewähre uns Deine Vision, damit wir in unserer Liebe zu Dir und zu unseren Nächsten wachsen.

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Denise Jasek

Denise Jasek ist seit vielen Jahren in der katholischen Kirche aktiv und ist zurzeit Kirchenmusikerin, Mutter von fünf meist erwachsenen Kindern und lebt mit ihrem geliebten Mann in Ohio.

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